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Bemerkungen

über

den Feldzug gegen Rußland

in den Jahren 1812 und 1813

mit

Hinsicht auf Cultur, Sitten

Landesart und Gebräuche

_____________________

 

gesammelt bei der Avantgarde des VII.ten

Armée Corps

[sächsisches Husarenregiment]

von

F. W. W.[inkler]

[wahrscheinlich Stabssekretär beim Husarenregiment, vgl. Holzhauen: Goethe, S.XXVIII, 50, 133]

 

Randbemerkung auf S.134: “Verfasser dieser Handschrift ein Großonkel Assessor F.W. Winkler / N.”

[Wer dieser N. ist, ist noch unklar. Winkler ist bei der Kavallerie (wahrscheinlich Stabssekretär beim Husarenregiment)

Das vollständige Originalmanuskript dieses Textes ist jetzt digitalisiert auf Wikisource (hier) zu finden. Dort entsteht auch eine wissenschaftliche Edition mit Anmerkungen und Erläuterungen. Da ich an dieser Edition mitarbeite, werde ich vorläufig - aus Arbeitsersparnis - hier keine Änderungen vornehmen. Für wissenschaftliche Zwecke sollte stets auf die dortige Edition zurückgegriffen werden. 

Ich möchte mich hiermit bei Wikisource bedanken, dass sie den Text in ihr Programm aufgenommen haben. 

Fontanefan, 3.9.08

 

Editionsprinzipien:

Die Rechtschreibung orientiert sich am Original. Sofern der Verfasser aber Namen korrigiert hat, wurde diese Schreibung für alle Verwendungen des Namens angewandt, auch wenn er einige unkorrigiert stehen ließ. Lateinische Schrift ist durch Schrägdruck wiedergegeben. Im Original wurden auch Kardinalzahlen bei Ziffernschreibweise mit einem Punkt versehen. Hier folgt die Edition der modernen Schreibweise. Ebenso werden Klammern ( und ), die im Original mir /: und :/ bezeichnet werden, modern wiedergegeben. Dagegen werden Anmerkungen des Herausgebers in eckigen Klammern [ ] hinzugefügt. 

Umlaut von u wird bei großen Anfangsbuchstaben immer mit Ui (bei kleinen gelegentlich auch) wiedergegeben. Diese Schreibweise wurde im Laufe der Transkribierung übernommen, doch können noch moderne Schreibweisen stehen geblieben sein. Der Umlaut von o wird, wenn er mit oe wiedergegeben ist, ebenfalls übernommen. Dadurch ergeben sich des öfteren unterschiedliche Schreibweisen in einem Satz. 

Statt Dativ dem steht im Original meist den (in der weiblichen Form gibt es keine Kasusverwechslung). Hier wurde der besseren Lesbarkeit willen und weil die Lesung des Originals nicht sicher ist, dem heutigen Sprachgebrauch gefolgt. Nur in den lateinisch geschriebenen Überschriften wird das den des Originals beibehalten, da es in diesen Fällen eindeutig zu erkennen ist.

 

Vorrede

Groß, - und in strategischer Hinsicht fast unübersehbar war der Flächenraum, auf welchen der Krieg von 1812/1813 geführt wurde, groß waren die Heeresmaßen die man gegen­einander führte und [die] sich für so verschiedenes Intereße stritten, - groß waren die Ereigniße, die theils dieser Feldzug momentan mit sich führte, theils später noch zur Folge hatte, aber größer noch, und in der Geschichte nicht seines gleichen habend, waren die Verheerungen, Auflösungen und das Dahinschwinden der Kriegsmaßen, die Hunderte von Meilen entfernt [?] wurden, und - solche meist [?] nie wieder sahen.

Übermäßige Kraftanstrengungen in einem Winterfeldzuge auf den eisigen Gefilden des Nordens, eine anhaltende strenge Kälte von 30. Graden und darüber bei einer Blöße von den notdürftigsten Bekleidungsstücken, die selbst den Insaßen [Einheimischen] gefährdete, - ein vorhergegangenes Kriegsjahr, das schon bei der gewöhnlichen Volkszahl manchen Einwohner mit dem Hungertodte bedrohte, ein größtentheils schlecht organisiertes, oder vielmehr gar kein [xxx]geregeltes Verpflegungssystem [?], welches auch die wenigen Vorräthe die ja noch hin und wieder bestanden, dem ersten besten der sie ausmittelte, der willkührlichen Vergeudung preisgaben, und zuletzt eine erdrückende Übermacht, dies waren die Hauptursachen, die jener Verheerung zum Grunde lagen.

Wie dies[?] bereits in strategischer Hinsicht über diesen Feldzug geschrieben, viel beleuchtet und mehreres geahndet [?] worden, doch die Details und näheren Erörterungen über den Grund und Boden auf dem man sich schlug - über die Bewohner und ihre Verhältniße, mit welchen wir wegen unserer Verpflegung in so ächtere [?] Berührung kamen, - über Sitten und Gebräuche, denen wir durch Vertrautheit uns annähern sollten, und endlich sonstige Eigenheiten und Lokalverhältniße, die so wesentlich in diesen Feldzug miteinwürkten, sind meines Wißens nach noch wenig in ihrer wahren Gestalt umschrieben und mitgeteilt worden.

Die nachstehenden Details gründen sich auf eine genaue umsichtliche Kunde und Erfahrung, bei der Avantgarde des siebenten französischen (sächsischen) Armee Corps gesammet.

Nur bei der Vorhut, die täglich von umschwärmten leichten Truppen umstält [?] und unsicher war, und durch Kreuz- und Querzüge beinahe gegen die nachfolgenden Divisionen, das Doppelte der Märsche zurücklegen mußte, konnte eine mehrere Vertrautheit mit dem Grund und Boden und seinen Bewohnern erlangt, und die Anstrengungen und hieraus hervor­gehenden Auflösungen, denen dieser Truppenteil am ersten ausgesetzt war, um so mehr empfunden und gewürdigt werden, und diese voll Treue und Wahrheit niederzuschreiben ist der Zweck gegenwärtiger Bogen.     […]

[Die allgemeinen Zusammenhänge des Kriegszuges u.a. bei Clausewitz “Der russische Feldzug von 1812 (3. Band der Schriften “Vom Kriege”), zu dem Folgenden insbesondere auf S. 46/47. Mit Litauen ist Weißrussland östlich von Brest gemeint.]

Stichpunkte zur Übersicht über bisher nicht transkribierte Passagen:

Aufbruch aus Sachsen

Am Karfreitag, d. 27.3.1812 8:00 Aufbruch aus Niemarkleba (Sachsen).

“Es war am Karfreytage, den 27ten Meertz 1812 früh um 8 Uhr, an welchem wir Niemarkleba bei Guben, (woselbst wir vom 12ten Februar ac bis dahin cantonnirt hatten,) an einem bereiften heiteren FrühlingsMorgen verließen.”

Eine halbe Stunde später an der brandenburgischen Grenze (Augustwalde/Sachsen, Friedrichswalde/Preußen), sandige Wiesen.

Marsch durch einen Teil der Mark und Niederschlesien

Marsch bis zu Vorstädten von Posen, dann an der Oder entlang Richtung Schlesien. Pappelalleen. In Schlesien kein bedeutender Unterschied zu Brandenburg zu “erspüren”, freilich mehr Katholiken.

Passage der Oder

Übergang teils mit Fähre, teils mit Schiffsbrücke bei Neusalze am 31.3.12. Preußische Soldaten werden in Schlesien von der Bevölkerung versorgt. Ob erst seit der Reform weiß der Verfasser nicht. Ihre Uniform scheint ihm für leichte Reiter zu plump, “obschon es in Hinsicht der Bedeckung sehr zweckmäßig sein kann”. Links der Feste Glogau am 3.4. Wechsel auf das polnische Gebiet. Keine Kennzeichnung durch Grenzpfähle. Erste polnische Stadt: Fraustadt. Etwa 90 Windmühlen um die Stadt herum, pro Dorf 6 - 8 Windmühlen, offenbar weniger Bäche und weil Windmühlen billiger zu bauen sind (keine Herrichtung des Wasserbettes). An der Straße vor den Dörfern große Wirtshäuser, meist von Juden bewirtschaftet. Pferdeställe für 50 und mehr Pferde und Platz für Fuhrwerke. Schlechtes Bier und “Brandewein”, einfaches Essen, oft schmutzig.

“Kalilien und Ostrowo sind kleine unbedeutende meist von Juden bewohnte Städtchen, die kaum den Namen eines Fleckens verdienen, und höchstens mit einem sächsischen Dorf in Paralelle zu stellen sind. - Krotoczyn ist schon etwas bedeutender.” […]

Landesart

Während dieser Zeit hatte ich mehrere Gelegenheit, [8] über Gegenstände die meine Aufmerksamkeit reizten und wo es währenden Marsches die kurze Zeit nicht erlaubte, Erkundigungen hinzu ziehen, welche dem Nachstehenden zum Grunde liegen:

Die vorbezeichneten Gegenden Pohlens  von Fraustadt längs der Oberschlesischen Grenze bis an die Weichsel sind im Durchschnitt mehr flach als bergig, bestehen größtenteils aus sandigem Boden und haben sehr viele und große Waldungen aus Laub und Nadelholz aller Art.

Pohlens größter Erwerbs- und Handelszweig besteht wie allgemein bekannt in den Erzeugnissen  eines ansehnlichen Getreidebaues, welches sonst größtenteils über Danzig und andere Häfen gegen den Eintausch von Kolonial- und anderen Waren, auch baren Geldes nach England abging. Der beträchtliche Flächeninhalt und eine auf diesem Raume mit anderen Provinzen Deutschlands im Verhältnis nicht gleichkommende Menschenzahl, überlassen dem Adel eine größere Anzahl von Grundstücken, als wie sie durch ihre Untertanen oder im richtigeren und allgemein angenommenen Sinne Leibeigen genannt-,

mit Weizen bewirtschaften lassen können, denn sehr oft trifft man Strecken von über eine Stunde Weges nach mehreren Richtungen   überall aus Feldbau bestehend an, wovon der Besitzer nur/der Eigentümer eines ganz unbedeutenden kleinen Dorfes ist. Daher dieser Überfluss von Getreide, der bei einer zweckmäßigen Kultur des Bodens noch weit mehr ergiebiger sein könnte.

Pohlnische Bauerhütte

Da der Pohlnische Bauer kein Grundeigentum besitzt, sondern Haus mit Hof und Vieh und Geschirre dem Edelmann zugehört, so bleibt ersterem von seiner ganzen Wirtschaft nichts, und/als wenn er verheiratet ist, ein Weib mit einer oft ansehnlichen Familie und ein Möblement seines ganzen Hauses, was man oft mit weniger als 10 (Währung) auskaufen kann, als wahres Eigentum übrig. – Bei den mehresten kein Bett, sondern bloß ein Lager, teils aus alten abgelegten teils noch im Gebrauch habenden Pelzen und Kleidungstücken [9] bestehend, ein Tisch aus einem Stück x mit 4 hohen  Beinen, eine dergleichen Bank, eine mehrentheils  auf dem Hausflur befindliche Handmühle, worauf die mehresten ihren Brotbedarf selbst mahlen.  Ein aus Bretern zusammengenagelten Kasten worinnen sie Getreide, Speck und andere Lebensmittel aufbewahren, ein Weberstuhl samt Spinnrocken, und einige auf Papier wie Tapeten geklebte  Heiligenbilder, dies ist das gewöhnliche Meublement einer pohlnischen Bauernhütte. 

Da allein der Edelmann als Grundeigentümer für die Unterhaltung und Wiederaufbauung der Gebäude zu stehen hat, so reparirt der Bewohner derselben trotz des Holzüberflusses seinerseits auch nicht das mindeste davon, dahingegen der Besitzer eines solchen Dorfes, diese Hütten, die nicht kostspielig zu erbauen sind, dem Schicksale der Zeit überläßt, deshalb trifft man sehr viele dergleichen  Bauernhäuser samt Scheunen und Ställe, halb verfallen an, und zeigte nicht noch mit unter der, ohne Schornstein, unter dem Dache hervorkommende Rauch dem Vorübergehenden an, dass sie bewohnt wären, er würde bei den mehresten nicht ahnden, noch ein lebendiges menschliches Wesen darinnen zu finden. Ganze Dörfer in einer so caducen Lage zu passiren, gewährt ein sehr missmutiges trauriges und niederschlagendes Gefühl  voll inniges Bedauern der Bewohner  derselben. - Nur aus einem Parterre bestehend, sind selbige mit kleinen, kaum ¼ (Maßeinheit) im Quadrat bestehenden Fenstern versehen, wovon die wenigsten verglaset, sondern mit Papier verkleistert oder mit dünnen Holzspänen ausgefüttert sind. Einen halben Tag  in einem solchen schmutzigen vom Kaminfeuer beräucherten, mit Kälbern jungen Schweinen und allerlei Ungeziefer, oft Kühen und Pferden zugleich angefüllten dunklen Stube, durch raue Witterung genötiget, zubringen zu müssen, dünkt einen schlimmer als in einem Gefängnis zu sein, und trotz der erst überstandenen und noch zu erwarten habender Strapazen wünscht man sich wieder in Gottes freier Luft und auf dem Marsch, zumal bei der großen Ungefälligkeit [10] ….

 

Stichpunkte zur Übersicht über bisher nicht transkribierte Passagen:

Tracht des gemeinen Mannes

Tracht der Noblen und Honoratioren

Das schöne Geschlecht insbesondere

Knechtschaft

Drangsale durch Hunger im Frühjahr 1812

Pohlnische Tafeln

LandesErzeugniße

Honog und Wachs

Holz

Theer und Peelz

Wild

ViehZucht

Salz

Getreide

Tobaksbau

Obst Wein Bier

Brandewein

Stande Pohlens

Adel

Clerisey

Bürger

Bauer

Juden

“Noch existiert in Pohlen eine Volksklasse, die besondere Erwähnung verdient, und das sind die Juden. In einer so großen Anzahl als hier werden sie wohl schwerlich in einer anderen Provinz aufgefunden, und es scheint als wenn ihr spekulativer Geist in diesem Lande der Trägheit volle Nahrung fände, und mit ihnen wenn auch nicht ein reichliches bei der so beträchtlichen Anzahl doch wenigstens ein dürftiges Auskommen verschaffte. - Aufgelegt zu allem, in allen Handelsgeschäften geneigt, und auch mit dem unbedeutendsten Gewinn genügsam, trifft man sie in Städten, Flecken und Dörfern bald in einer größeren bald in einer geringeren Anzahl verbreitet an, und, die Hauptstadt und einige der größeren und bedeutenderen Städte ausgenommen, wo bedeutende Waarenlager der Christen existieren, kann man dreist behaupten, daß sie den ganzen Handel des Landes innehaben.” [33] […]

S.46

Uibergang über die Weichsel

Nach einem Stillstand von 3 Wochen und 3 Tagen brachen wir am ersten Pfingstfeyertage dem 17 Maii aus dem Cantonnement von Cieplow wieder auf und näherten uns der Weichsel. Die Witterung war warm und schön, wir hatten bereits am 11ten Maii das erste Gewitter, welches die Vegetation ungemein begünstigte, die schoßenden Aehren auf den Feldern gaben eine reiche Erwartung. Bei Gora einer kleinen Stadt  wurde eine sächßische Schifbrücke geschlagen, die jedoch in Ermangelung so mancher Requisiten hierzu, erst später zustande kam. Das Regiment mußte daher die schon sehr breite Weichsel auf Fähren paßiren, welches, da nur gegen 40 Pferde auf einmal eingeladen werden konnten, und zur [47] Hin- und Rückfahrt eine halbe Stunde erfordert wurde, einen beträchtlichen Aufenthalt machte. Das Regiment paßirte selbigen daher nicht in einem, sondern an verschiedenen Tagen. Die zeitfern in Gora gelegene 8. Escadron paßirte selbige bereits den 14ten ejsdem und bezog am jenseitigen rechten Ufer Quartier in Pulawy und Uchlewize, an welchem ersteren Ort das Brigadequartier des GenLt. [Generalleutnants] Freiherr von Gutschmied verlegt wurde. Die 4te, 5te und 7te Escadron ging den 17. Maii als den ersten Pfingstfeyertag über selbige, der Staab, 1te, 2te und 3te Escadron folgten tags darauf. Die 6te Escadron unter Commando des Rittmeisters und späteren Major Probsthayn war den ganzen Feldzug über vom Regiment getrennt, und erreichte seit dem 6. April a.d. den Dienst als Escorte im Hauptquartier des Grafen Reynier.

Das linke Weichselufer ist hier äußerst flach, und mit einem, mit Weidengehege bewachsenen hohen Damm versehen, um den Fluß bei Anschwellungen einzuengen. Vom jenseitigen Ufer erhebt sich die Gegend, und ersteigt allmählig bald eine Erhöhung, die schon in geringer Entfernung dem Strome Grenzen sezt. Die Weichsel hat hier bei gewöhnlichem Wasserstand eine Breite von 800 Schritt, ist reißend und richtet bei Eisgängen und großem Wasser in den niederen Umgebungen starke Verwüstungen an. 

Pulawy

Am jenseitigen Ufer, etwas schräg von Gora über, liegt erhöht das kleine Städtchen Pulawy, den pohlnischen Fürsten Czatorinsky gehörig, mit einem schönen Schloß, und einem in Pohlen noch selteneren botanischen Garten. 

Pflanzen und Gewächse, aus allen Zonen mit großem Kostenaufwande zusammengebracht, befinden sich hier gemeinschaftlich beisammen, und eine kleine Menagerie seltener Vögel und Thiere, worunter besonders einige sehr kleine zwergartig, doch proportionierlich gebaute africanische [48] Pferdchen merkwürdig, verriethen den Geschmack des Besizers an Naturkunde.

Tod des GenLieten Freihern von Gutschmied daselbst

Auf diesem Size der Musen verstarb am 7. Juny 1812 der Cheff des Regiments, der verdienstvolle GeneralLieutenant der Cavallerie Freiherr von Gutschmied in seinem 51sten Lebensjahre am hizigen Nervenfieber, ein ebenso wißenschaftlicher und gelehrter Mann, als Taktiker neuerer Zeit und muthvoller unerschrockener Krieger. Er starb zu früh für seine Untergebenen, die ihn wie Kinder liebten, und unter seiner Anführung ruhmvollen Thaten vertrauensvoll entgegensahen - zu früh für sein Vaterland und seinen König, welche beide er als wahrer Patriot innigst schäzte und verehrte, doch er sank noch im Vollgefühl der thatenvollen Kraft der Armée, im Bewußtseyn der Größe und Blüte seines Vaterlandes dahin, die baldigen Trümmer beider in fremder Gewalt sollte er nicht erblicken. - Sein Regiment legte durch Flor um Arm und Trompete, Trauer für ihn an, die, wenn sie auch schon äußerlich nicht lang währte, doch gewis im Herzen eines Jeden, der ihn näher kannte, noch lange fortdauern wird. - Sanft ruhe seine Asche am fernen Weichselgestade! -

Ansicht jenseits der Weichsel

Man glaubt sich jenseits der Weichsel in ein ganz anderes Land versezt zu sehen, so sehr wechselt der Boden und eine beßere Cultur deßelben hier auf einmal ab. Der in Pohlen so häufige Sand, verschwindet in einiger Entfernung vom Ufer allmählig, und fetter, mit schönen Weizenfluren prangender Leimboden nimmt deßen Stelle ein, der Obstbaum zeigt sich häufiger und mannigfaltigere Gartengewächse bieten sich dem Auge dar. Zu lezteren beiden Erzeugnißen muntert wahrscheinlich nur der beßere und ergiebigere Boden, die Bewohner deßelben mehr als jenseits auf, denn in allem übri[49]gen zeigt sich keine wesentliche Veränderung.

Wir richteten unseren Marsch über Conskawola, Kurow und Markoczow, 3 kleine unbedeutende Landstädtchen nach Lubin, wo wir am 3ten Pfingstfeyertage, als tags darauf, wo wir die Weichsel paßirt hatten, eintrafen. 

Wir formirten vom sächßischen (im Laufe dieses Feldzugs 7ten Armée)Corps schon die AvantGarde, waren die ersten Truppen jenseits der Weichsel 

S.64:

Marsch durch die rokitnoschen Sümpfe [Pripjetsümpfe]

Den 15ten und 16ten July hatten wir über Kleke und Slono noch guten Weg, und am lezten Tage bei Niewicice einen nicht ganz mageren Bivouacq [Biwak], indem die dasigen Güther des rußischen General Benningson manchen die Lebensmittel lieferten. Das Uhlanen Regiment Prinz Clemens trennte sich an lezten Tage von der Avantgarde und wurde denen Infanteriedivisionen, die wie oben erwähnt einen anderen Weg einschlugen, zugetheilt.

Den 17ten ejsd [eiusdem=dieses Monats] erreichten wir endlich die so unwirtbare Gegend und ein 9stündiger Marsch /: mit welchem wir nur die Distanz von 5 Stunden zurücklegten :/ führte uns durch Holz, Waßer und Morast auf den Bivouacq bei Lipsk. 

[66] Die Furth die wir paßirten, denn Weg oder Straße kann man es keineswegs füglich nennen, ging durch einen mit Dickicht unterwachsenen Wald, gewährte den Augen rechts und links kaum auf 10 Schritt Aussicht und stand oft völlig unter Waßer. -

Die Schüzen mit aufgestreiften pantalons so hoch es nur möglich war, und vom Fuß bis an die Oberschenkel völlig entblößt, an der Spitze, - dann die reutende Batterie, oft bis an die Röhre der Canons im Schlamm und Waßer sich fortschleppend in der Mitte - und die schließende Cavallerie bis über die Pferdeknie im ähnlichen Falle, so bewegte sich der Zug ganz langsam vorwärts und oft wurde; an den grundlosen Stellen stundenlang unterbrochen, bis die Sappeurs Bäume gefällt, auf denen die leichte Infanterie hinklettern konnte und eine Art Knüppeldamm hergestellt hatten, auf dem das Geschütz einigen Grund fand.

[S.66] Höhere lichte und trockne Stellen gab es nur wenige und es war eine Wohlthat für die Cavallerie, bei einem längeren Halt eine solche zu erreichen, um absizen und es sich und den Pferden bequem machen zu können. Nicht wenig erstaunt waren daher die friedlichen völlig isolierten Einwohner des etwas erhöht liegenden kleinen Dorfes Lipsk, als sie einen solchen nach ihrer einmüthigen Versicherung in ihrer friedlichen Einöde noch nie gesehenen kriegerischen Zuspruch erhielten, zu deßen Bewirthung es an allen möglichen mangelte. Das wenige Brod was sie auftrieben, bestand meist noch aus ganzen auf einer Handmühle gequetschten Körnern, die durch die mehlige Substanz und durch das Backen zusammengehalten wurden. Daß in dieser undurchdringlichen Wildnis eine Menge Bären nisteten, bewiesen die vielen hier vorgefundenen, auf rußische Art auf einer Seite mit Fett gegerbten, oder vielmehr geschmeidig gemachten Bärenhäute, die zu Schuzdecken für die Witterung auf die bepackten Handpferde sich sehr gut benuzen ließen. Die Einwohner dieses mit wenig Feldbau versehenen Dörfchens [67] hatten nur einen einzigen, rechts einschlagenden Komunikationsweg mit dem trockenen Lande, allein dieser lag außer unserer Direction, indem unsere Bestimmung von uns gradeaus lag. Den Betheuerungen der Einwohner keinen Glauben beimeßend, daß an ein weiteres Vordringen nicht zu denken sey, indem diese Gegend nur aus einem faulen grundlosen Sumpf bestehe, wurde selbige Lage danach, während wir rasteten von mehreren Seiten recognosciert, allein die Äußerungen der Einwohner bestätigten sich völlig. Es blieb uns daher nichts übrig, als am 19. July aus diesen Sümpfen rechts seitwärts nach Ostrowo auszubrechen, und wir befanden uns auf einmal, da unser Corps diesen Ort schon paßirt hatte, als - Arrieregarde. - Das Corps hatte bereits vorwärts in und um Bytin ein reges Contonnement bezogen, das Regiment paßirte den 20ten diesen Ort ebenfalls und erhielt nun wieder als Avantgarde 4 Stunden über selbigen hinaus in Lobiesihze und noch 2 anderen Dörfern ein ähnliches Unterkommen. Alles wurde einquartiert, und da uns vorwärts noch Oesterreicher standen und wir sonach vom Feinde nichts zu befürchten hatten, so unterblieben auch die Feldwachten und übrigen militärischen Vorsichtsmaßregeln.

Nach einem gehaltenen Rasttage brachen wir am 22ten July früh schon wieder auf legten Kosow Kartusa, Beroza und Chomsk zurück und rückten den 24ten bei Tulatice [?] ein - Die Oesterreicher hatten in Pinks [Pinsk am Pripjet] dem Feinde ein sehr beträchtliches Magazin weggenommen, was sie, während wir in Kosow übernachteten, auf 260 Wagen durch [?] und der Armee zuführten; auch begegneten wir tags darauf mehreren oestereichischen Abtheilungen, die so wie wir uns ihren Posten näherten, sich allmählich auf ihr Corps zurückzogen. Die Bivouacqs hatten seit dem 20ten völlig aufgehört, wir befanden uns in den Ortschaften einquartiert und unterhielten bloße Polizeiwachten.

Offensive der Rußen

Der General Tormahsow [bei Clausewitz: Tormasof] hatte indeßen unser Vorrücken, die Rückwärtsbewegungen der Oesterreicher und unsere durch mehrere Tagesmärsche getrennte Entfernung von selbigen, in [S.68] Erfahrung gebracht, und beschloßen uns aus unserer Position zu verdrängen und die zu sehr ausgedehnten Abteilungen einzeln mit Uebermacht anzugreifen und womöglich ganz aufzureiben.

Angriff auf Pinks

Der Major von Seidelitz hatte mit einer Escardron Prinz Clemens Uhlanen die Stadt Pinks besezt, nachdem die Oesterreicher mit Wegführung des dort vorgefundenen Magazins solche geräumt hatten. Der rußische Fürst Scherbatow greift diesen Ort am 24. July mit mehrere Cavallerie und 2 Kanonen an, und drängt den Major Seidelitz mit Verlust eines Unteroffi­ziers­trupps von 7 Mann aus selbigem zurück. Hierauf erhielt Nachts die 5te und 8te Escadron Husaren und 1. Escadron von Polenz xxx [?] unter Commando des Majors von Lindenau Befehl, als Soutien vorzurücken, stießen jedoch auch bei Janow [verbessert aus Jannow, vgl. Karte] schon auf den Feind, welcher Oerter mit Infanterie und Cavallerie besezt hatte.

Gefecht bei Janow

Es kam früh gegen 2 Uhr bei dämmerndem Morgen daselbst zu einem Gefecht, dem ersten in diesem Feldzug, an welchem das Husaren Rgt. [Regiment] theilnahm, wobei selbiges einige Gefangene machte und 3 Pferde erbeutete, dagegen aber 1 Husar mit Pferd todt auf dem Plan zurückließ, 4 Mann 1 Pferd an Vermißten und 7 Mann incl. 2 Offiziers als Blessiert zählte. Der Lieutenand v. Schweidnitz vom Uhlanen Regimente gerieth hierbei auf einer Sendung ebenfalls in feindliche Hände. Der Major v. Lindenau zog sich um den Tag abzuwarten einige Stunden zurück, wozu ihm die Veranlaßung gab, daß er weder die Stärke des vor sich habenden Feindes, noch das für Cavallerie so ungünstige und mit Holz, Gräben und Sümpfen durchschnittene Gelände kannte. Wir trafen ihn am Morgen des 25ten July in einem Birken­wäld­chen gelagert an, nachdem der Rest des Husaren Regiments, 2 Escadrons von Polenz und 2 Piecen der reutenden Batterie Befehl erhalten hatten, diese detachirten Escadrons zu unterstützen und deshalb früh 2 Uhr aus ihrem Quartier aufgebrochen waren. -

[S.69] Unsere Cavallerie en Front, seine beiden Canons auf die Flügel placirt, sezte sich nun wieder vorwärts in Bewegung, trieb den sich einigemal sezenden Feind bis nach Janow und verfolgte ihn, da er es zuließ [?], noch eine Stunde über dieses Städtchen hinaus. Ein daran stoßender beträchtlicher Wald erleichterte seinen Rückzug und nachgesendete Patrouillen fanden ihn erst 4 Stunden jenseits wieder auf.

Das Regiment bezog diesen und den folgenden Tag Bivouacq vor dem Städtchen, in der Nähe des dortigen Gottesackers, welcher uns, weil anstatt der Grabhügel, große eichene Blöcke die Grabdecken formierten und zugleich als Leichenstein mit dienten, 2 Tage lang einen hinlänglichen Brennstoff lieferte. Der commandierende General Graf Reynier traf am Morgen des 26. July selbst in Janow ein, besahe unsere dasige Stellung, überzeugte sich von diesem für die Cavallerie so ungünstigen Terrain und kehrte darauf wieder nach Poedozyce zurück.

Der Feind näherte sich indeßen auf der nämlichen Straße, auf welcher er seine Retraite genommen Janow allmählig wieder, und eine vorgeschickte starke Patrouille, kehrte, nachdem sie den ganzen Tag mit den feindlichen Vorposten geplänkert und sich sämtlich eingeschoßen hatte, mit der Bestätigung des Vordringens zurück. Nachdem die Equipage Abends auf der nach Dokyezyn führenden Straße vorausgesendet, und die aus Pinks zurückgedrängte Uhlanen Escadron Abends 11 Uhr noch zu uns gestoßen war, brachen wir am Morgen des 27. July früh 1 Uhr von Janow in möglichster Stille auf und folgten unter dem vernehmbaren Kanonendonner von Kobcyn her, unserer Equipage auf dem Bivouacq bei Dobryzin (Nicht jene Stadt am Bug, sondern einer dort gleichen Namens)

Der General Tormahsow [bei Clausewitz: Tormasof] war unterdeßen auf Kobryn zu marschiert, hatte diesen Posten, der von der Infanterie Brigade Klengel und den übrigen 3 Escardrons des Uhlanen Regiments Prinz Clemens besezt war, mit 2 Divisionen [S.70] und 6 Bataillons angegriffen, und selbige nach einem 9stündigen Gefecht, welches dem Feinde vielen Verlust zugefügt hatte, nachdem sie ganz umringt und durch das Abbrennen der dasigen Brück ihr aller Rückzug abgeschnitten war, in Kobryn zu capituliren gezwungen. -

Der Major von Klengel mit den beiden Infanterie Regimentern König und von Niesemenschel [?] und 4 Fahnen, der Oberst von Zezschwitz mit 3 Escadrons Prinz Clemens Uhlanen und 1 Fußbatterie aus 8 Piecen bestehend wurden kriegsgefangen und fielen dem Feinde in die Hände. -

[Es folgt der Rückzug Fürst Schwarzenbergs mit der österreichischen und  sächsischen Armee. Rückzug bei schönem Wetter durch Birkenwälder, doch leider keine Stimmung, das zu genießen, da der Feind immer am Verfolgen war und nur wenige Stunden des Nachts zum Schlafen blieben. Aufbruch meist schon kurz nach Mitternacht.]

[S.71u] Der Feind war uns, wie wir bei einer am 4. August gegen Prudzanna unternommenen Recognoscirung wahrnahmen, bis an diesen Ort gefolgt, und hatte selbigen besezt. Die Oesterreicher [S.72] warfen ihn tags darauf wieder aus selbigen zurück. Die 3 Corps befanden sich nunmehr in einer ziemlichen Nähe und es waren ernsthafte Ereignisse [?] in den nächsten Tagen mit vieler Wahrscheinlichkeit vorauszusehen. Den ganzen 7ten August, wo wir uns von früh 4. bis abends 8. Uhr, ohne zu füttern [?] uns 3 Stunden Weges vorwärts bis Nowowies dirigirten, wurde mit manoevriren gegen den nur Schritt für Schritt zurückweichenden Feind zugebracht, ohne daß er sich in ein förmliches Gefecht einließ. Erst abends spät, nachdem wir schon den Bivouaq bei genanntem Orte bezogen hatten, und unserer 8ten Escadron  auf den Vorposten zu einem lebhaften Plänkerfeuer, worauf die ganze Avantgarde ausrückte, allein ein heftiger Platzregen mit einem Gewitter begleitet, welcher die ganze Nacht fortwährte, gebot beiden Theilen Feyerabend und jeder suchte nun die fordernde Natur durch einigen Genuß und Ruhe für den morgenden Tag zu stärken.

Ohngeachtet dieses Vorspieles brach er ruhig an. Wir nahmen anfänglich etwas rückwärts bei Nowowies, Position, veränderten selbige darauf wieder vorwärts auf der nach Prudzanna führenden Straße, ohnfern unseres verlassenen Bivouaqs, und rückten bei anbrechender Dämmerung, da nichts zu sehn und zu hören war, auch selbigen wieder ein. Der 9. August wurde bei einem anhaltenden Regenwetter noch als Rast daselbst zugebracht.

 

Gefecht bei Prudzanna

Unser Gegner, zu der Division Lambert gehörig, hatte sich nach Prudzanna zurückgezogen, den Ort selbst besezt und erwartete in der dasigen Ebene unsere Ankunft. Sie erfolgte am Morgen des 10ten Augusts und mit ihr engagirte sich eines der hizigsten Cavallerie-Gefechte, welches sich erst Nachmittags, als der Feind die Flucht ergriff, endigte. Er warf sich gegen Podobna /:halben Weges von Prudzanna nach Kobryn:/ auf das sich dort konzentrirte Haupt Corps des / (S.73) Generals Tormahsov zurück und er hatte auf seiner Retraite von Abtheilungen Oesterreicher, die ihn verfolgten und das Gefecht fortsetzten, noch manchen Verlust. Der unsrige war, obschon das Regiment weder Gebliebene, Vermißte noch Gefangene hatte, bei der Hize und Erbitterung mit der gefochten wurde, dennoch stark an Blessirten; wir zählten 28. Mann, von welchen mehrere sehr schwer verwundet waren und hatten überdies 4. todte 2. vermißte und 11. blessirte Pferde.

 

Vereinigung mit dem oestereichischen Hilfs Corps

Das achte Armee Corps hatte sich an diesem Tage mit dem ersten sächsischen vereinigt und nun das feindliche Haupt Corps aufzusuchen, den Marsch gegen das um  11/2 Stunden entfernte und in einiger Vertiefung liegende Dorf Podobna gerichtet, wowir als -Avantgarde, dießeits nahe deßelben, auf einem sandigen und mit großen Feuersteinen überdeckten Boden uns lagerten. Wir wurden bei eintrtender Nacht sehr sonderbar alarmirt.

Die Pferde einer entfernt hinter uns bivouaquierenden Abtheilung Oesterreicher, hatten, durch Wölfe geschreckt sich losgerißen, und in direction gegen unser Bivouak die Flucht ergriffen. Eine unserer Uhlanen Vedetten, die auf Anruf keine Antwort erhalten hatte, gab Feuer, eilte ihrem Trupp zu und hinter ihr folgten diese sämmtlichen Pferde, unsere Wachtfeuer wahrnehmend. - Durch den gefallenen Schuß schon aufmerksam gemacht vernahmen wir in der größten Dunkelheit noch das Getöse einer sich uns nähernden Carierre und im Begriff zu unseren Pferden zu eilen, hatten sie zum Theil schon unsere Bagage niedergetreten und blieben, sich zwischen unsere Pferde eindrängend, ruhig halten. In aller Frühe wurden sie durch ein sie aufsuchendes oesterreichisches Commando abgeholt. - Eine sehr gute und leichte Beute, wenn es feindliche Pferde gewesen wären. -

Der General Tormahsov, der bei der Rückbewegung des /[S.74] Fürsten Schwarzenberg gegen Slonim sein Vordringen eingestellt hatte, hatte sich concentrirt, und die dießeitigen Corps erwartend, hinter Podobna eine sehr vortheilhafte Stellung genommen. Seine Front und rechter Flügel waren durch einen Morast abgedeckt, der nur auf 2. Dämmen pahsit werden konnte, eine hinreichende Artillerie stand bereit, jeden kühnen Versuch abzuweisen.

Ein, gegen eine halbe Stunde breiter und in der Länge sich hinziehender Wald stieß auf seinen linken Flügel, der, außer diesem mit einigen Communikationswegen durchschnittenen Holze keinen weiteren Anlehnungspunct hatte. - Dies Holz mit Infanterie zu besezen, sowie die Straßen und Zugänge durch Verhaue zu sperren war unterlaßen worden und auf diesen der Position so gefährlichen Punct nicht die mindeste Aufmerksamkeit verwendet worden.  Dieser Fehler, der dießeits zeitig genug entdeckt und benuzt wurde, zog dem Feinde den Verlust der angebotenen Schlacht zu, und würde, hätte der verdünstende Pulverdampf die Nacht nicht zu bald herbeigeführt, seine völlige Auflösung bewirkt haben, indem er mit Gewalt gegen die Moräste zurückgedrängt wurde. 

Schlacht bei Podobna

Den 12ten August früh, wo wir ruhig im Bivouaq verweilten, und den Feind recognoscirten, gewahrte man jenseitige starke Truppenbewegungen die, die Nacht über detailiert, jezt in Schlachtordnung rückten. Um dem Feinde die linke Flanque abzugewinnen, pahsirte früh gegen 9. Uhr die sächsische und oesterreichische Cavallerie in gestrecktem Trabe den obenberührten Wald und marschierten auf einer jenseitigen Anhöhe auf. Unsere Infantrie folgte uns, und drang am inwendigen Saume des Waldes sich hinziehend, ebenfalls im Westen vor. Der Feind bemerkte nun erst, aber zu spät den begangenen Fehler und suchte die dießeitigen Truppen durch seine herbeigezogenen Reserven wieder gegen das Holz zurückzuwerfen. Ein CavallerieAngriff folgte auf den anderen und die feindlichen Batterien unterhielten ein lebhaftes Feuer auf uns, allein ohne Erfolg, die rußische Cavallerie verlohr dagegen immer /[S.75] mehr Terrain, und unsere reitende Batterie hatte bei einem jenseitigen, durch die Sprengung eines mit Kartätschen gefüllten Munitionswagens wie wir uns später an Ort und Stelle selbst überzeugten, in den Umgebungen beträchtlichen Schaden angerichtet. Das Gefecht wurde bald äußerst lebhaft und theilte sich der übrigen ganzen Linie mit. Gegen Abend gerieth die Infanterie gegen einander in ein ununterbrochenes heftiges klein Gewehrfeuer, der Feind verlohr auch hier Boden und wurde ganz vom Schlachtfelde und gegen die Moräste zurückgedrängt, als die Nacht eintrat und -- Stillstand machte. Wir übernachteten auf dem Schlachtfelde um mit anbrechendem Morgen den Kampf zu erneuern, allein die Rußen hatten die Dunkelheit benuzt, und waren die Nacht über gegen Kobryn abgezogen, wir erreichten am anderen Morgen nur noch ihre ArriereGarde und folgten in derselben Direction.

Der Verlust von beiden Seiten war ansehnlich, doch enthalte ich mich, da mir keine offiziellen Berichte über das Ganze zu Gesicht gekommen, bloße Sagen und Beistimmungen hierüber niederzuschreiben. Die am andern Morgen auf dem nicht unbeträchtlichen Schlachtfelde vorgefundenen Todten und schwer Bleßirten zeigten, daß die Mehrzahl davon dem Feinde angehörte, ohnerachtet er alle Bleßirte, die nur noch transportable gewesen, auf seiner Retraite mit sich genommen hatte. - Einbuße an Trophäen zählten beide Theile nicht!

Der Verlust des HusarenRegiments bestand in 2. gebliebenen, 2. vermißten und 11. bleßiten Mann und 8. todten und 11 bleßirten Pferden. - Es hatte dagegen seit Eröffnung der Campagne bis auf den 13ten August 42 Pferde erbeutet und mehrere Gefangene eingebracht, als 17 Pf. bei Podobna, 19 Pf. bei Prudzanny, 3. Pf. bei Jannow und 3 Pf. gleich anfangs durch das StreifCommando des 2. PremLieutenent von Nauendorff an der Nasow. - Ein Theil derselben wurde dem Regimente sofort als Dienstpferde einverleibt, die übrigen hingegen an die Intendantur eingeliefert, die einer erlaßnen festen Be/[S.76] stimmung gemäs, dem Manne für jedes dergleichen erbeutete und eingeliefertePferd einen Kaufpreiß von 20 rt [Reichstaler] - zusicherte.

Ein sehr trostreiches Geschick ist es für dem Militaire in Campagne, daß die wenigsten Geschoße ihre vernichtende Bestimmung erreichen, und die meisten dagegen ihr Ziel ganz verfehlen; daß aber auch zu weilen die Wirkung dergleichen tödtender Werkzeuge noch gleichsam wunderbare Hemmung erhalten, davon hier schließlich noch 2. Beispiele der soeben geschilderten Schlacht von Podobna.

Dem Husar Eisel der 7ten Escadron ging eine 4 bis 6 w [Pfund] Stückkugel durch den Tzschako durch und durch, und nahm zur jenseitigen Oefnung die im Tzschako aufbewahrte Fouragierung mit heraus, ohne weder dem Deckel des Tzschakos und das Oberhaupt des Mannes zu berühren, noch selbiges durch den Druck der Luft zu verlegen. Sie zog dem Manne blos dadurch eine Erschütterung zu, daß sie die unterm Kinn befestigten Bataillone Bänder sprengte und ihm den Tzschako vom Kopfe warf ohne selbigen zu vernichten. Dieser Mann trug ihn durchlöchert zum Andenken noch so lange fort, bis er später damit bei Luboml [?]  in Gefangenschaft geriet.

Der zweyte Fall ereignete sich mit dem Husar Kegel der selben Escadron. Eine ähnliche Stückkugel riß ihn den Mantel fort, Futtersack, die Futtertorben [?] und den Frosch von der Pritzsche weg so, daß selbige zusammenknickte, ohne weder den Mann noch das Pferd zu beschädigen. Auch dieser Mann hatte das traurige Geschick, später in feindliche Hände zu gerathen.-

Feindliche Retraite

Unter fortdauernden Plänkergefecht mit dem feindl. Nachtrabe, erreichten wir am 13ten August Vormittags Kobryn, woselbst wir uns nachts seitwärts des Städtchens lagerten, nachdem unsere Avantgarde den Feind noch bis jenseits verfolgt das Zerstören der daselbst über die Muchawiece führenden Brücke verhindert hatte. Während die Oesterreicher die Verfolgung des Feindes fortsezten, brachten wir den 14ten ejodem noch daselbst als Rast zu, um am fern erlittenen Verlust in den Regimentern einermaasen wieder auszubessern. Der Hauptmann von Watzdorff vom Generalstabe erhielt Nachmittags von hier aus, mit dem Berichte über diese Schlacht, die Sendung als Courier nach Dresden, von welcher er am 3. Septemberae mit dem Majors Caracter beim Corps wieder eintraf.

Der Feind hatte Brczesc [ = Brest ]  paßirt, seine Truppe wieder in etwas geordnet, und ging, mit abwechselnden Glücke seinen Rückzug vertheidigend nach Luezk über den Styr zurück, um sich mit der ebenfalls dahin dirigirenden Moldau Armée, unter Befehl des Admiral Tschitschagow zu vereinigen und uns wieder die Spize zuzubieten.

Wir brachen den 15. August früh 8. Uhr vom Bivouacq bei Kobryn auf, paßirten durch einen Furth, die der Narew ähnliche Mozinna,- tags darauf Brczesc, gingen dort abermals über die nach dem Bug rechts einlenkende Mozinna hinüber und bezogen ½. Stunde jenseits der Stadt, neuen Bivouacq.

Brczesc

Brczesc

Den 16ten August bei Brczesc war auf die vorangegangenen Regentage einer der schönsten und wärmsten und trocknete nicht nur unsere am Leibe und im Mantelsacke ganz durchnäßten Sachen, die dem Moder nahe waren, wieder ab, sondern versahn uns auch aus der nahen Stadt für Geld mit manchen nöthigen Artikeln, die wir eine geraume Zeit lang hatten entbehren müssen.

Eintritt in Vollhynien

Den 18ten und 19ten August hatten wir wieder durch sehr sumpfige und morastige Gegenden beschwerliche Märsche- traten den 20ten ejodem in der Provinz Vollhynien ein, und bezogen dicht hinter den vorwärts gelegenen Scheunen und Gärten des Städtchen Szacz /: Schazk :/ einen bis mit den 23ten Aug. fortdauernden Bivouaq. Als wir den 24ten früh 5. Uhr seelbigen wieder verließen, erreichten wir auf der nach Luboml führenden Straße den feindlichen Nachtrab wieder und unter fortwährenden Plänkern mit unserer AvantGarde, folgten wir selbigen durch Luboml /: ein kleines mit vielen Juden bewohntes Landstädtchen ./ und lagerten uns ½ Stunde jenseits an der nach Jurisk führenden Straße auf einer mit einzelnen Gebüsch bewachsenen Wieseweide. Der Feind hatte sich auf diese Straße zurückgezogen, eine waldigte und buschigte Gegend trennte uns von ihm, und vorgeschobene St... Feldwachten beobachteten ihn nicht nur, sondern sicherten auch zugleich unsere Ruhepläze.

Verlust bei Luboml

Den 25ten August Nachmittags wurde unsere und die links aufgestellte oesterreichische Vorposten Chaine von vorgedrungener feindlicher Cavallerie angegriffen, und der rechte Flügel unter dem Rittmeister Roos bis über unsere Bivouacq herum gegen Luboml zurückgedrängt.-

Die vorliegenden Felder am Saume des Holzes waren, um sie vor das weidende Vieh zu schützen mit Pfahlwerk und Stangen eingeschränkt und nur ein enger freyer Raum bezeichnete die nach Juristi führende Paßage. Da von der feindlichen Uebermacht gegen diesen Engpaß zurück gedrängt, entstand auf der Retraite unserer Feldwacht hier ein Stocken und Drängen, was ohnefehlbar die hintersten der feindlichen Gefangenschaft opfern mußte.-

Außer 1 gebliebenen Husaren auf dem Plaze, fielen 30. Husaren mit 29 Pf. und 11. Mouleys von Polen und ebenso viel Bestenden [Bestände] dem Feinde in die Hände. Das ganze in und bei Luboml gelagerte Corps gerieth hierdurch in Allarm, indem man nichts gewiße und als einen förmlichen feindlichen Angriff vermuthete, zumal da die linke Flanque der Oesterreicher ein ähnliches Vordringen mit Geschüz zurückwieß. Alles rückte sächsischerseits [?] bei Luboml concentrirt in Position, und eine Batterie wurde auf dasigen in Eil mit Schießscharten versehenen Gottesacker aufgefahren, um den nach den Städtchen führenden erhöhten Damm bestreichen [?] zu können,  allein der Feind genügte sich, nachdem ihm einige Abtheilungen Infanterie, Cavallerie und einige Piecen Artillerie vorgeschoben worden waren und er die kräftigen Anstalten zu seinem Empfänge sahe, mit seinen Leuten wieder abzuziehen, und lies die Vermuthung zurück, daß sein Erschienen nur eine aus mehreren Cavallerie Regimentern bestandene starke Recognoszierungs gewesen sei, die den Terrain und die Schwäche unserer Vorposten benutzt hatten. Abends gegen 9. Uhr rückte alles wieder in seine früheren Lagerpläze ein. Obschon der Feind unseren Bivouaq als den am meisten vorgelegenen  zweimal paßirt hatte, so zeigte doch das mancherlei in Eil von uns zurückgelaßene Geräthe, daß wir unversehrt wieder antrafen, daß ihm  an der Eile viel gelegen sein mußte, und sein Unternehmen, um auf die Ueberraschung und Geschwindigkeit berechneter Coups blos gewesen sei.

Marsch nach Corczyn

Den 26ten Nachmittags verlagerten wir unsere Bivouaq 1. Stunde, dem Feinde näher, vor wwärts und lagerten uns ohnfern eines an der Straße gelegenen Gasthofs, wo man Tages vorher unsere Gefangenen ausgeplündert hatte. Die Erbitterung und Rache über die verlohrne Schlacht von Podobna und den zur Folge habenden Rückzug hatten sich so eben sehr leidenschaftlich ausgesprochen, denn man hatte unsere Gefangenen nicht nur alles bis auf die nothwendigste Bedeckung abgenommen, sondern auch dasjenige was man als Beute des Transports nicht werthgehalten, ...

S. ru42c383

Der Vorpostendienst war im Ganzen genommen während der 17. tägigen Aufstellung bei Torczyn für unsere beiden schwachen Cavall. Regimenter äußerst fatiguant [?]. Obschon es Befehl war, alle Pferde außer dem Dienste abzusatteln, so wurde doch nur immer wenigen von ihnen diese Wohlthat zu Theil, indem die mehresten derselben zu Besezung einer weitläufigen Vorposten Chaine, und zu Patrouillen und größere Recognoscirungen, die stets wechselten, verwendet wurden, während von dem Reste wieder andere zur Bereitschaft ausgesezt waren. Nicht gleiches harte Loos hatte unsere rückwärts geborgen liegende Infanterie. Sie vertrieb sich die müßigen Stunden, ihre Bivouaqs zu zierlichen Lustlagern, mit schattigen Promenaden und ConversationsZimmern versehen, umzuschaffen, die im tiefsten Frieden, den ganz einfachen Baumaterialien nach, nicht eleganter und schöner hätten angelegt werden können als hier geschah. - Sie blieben bei unsern eintretenden Rückzug unversehrt, und hatten sich die Bewunderung der uns nachfolgenden Rußen, zu mal alles sich die rohe Natur, durch Kunstfleiß auch in kurzer Zeit umschaffen läßt, mit vollen Recht erworben.   

In der Nacht vom 8ten zum 9 Septbr hatte der Feind eine österreichische FeldWacht beschlichen und weggenommen. Es hatte für uns die Folge, daß wir die darauffolgende Nacht in völliger Bereitschaft zubringen mußten allein wie gewöhnlich, da wo wir einen ähnlichen Zuspruch erwarteten. - erfolgte es nicht.

Der am 7. Septbr von der großen Armée bei Mosaisk erfochtene Sieg, wurde am 17. ejsd. von dem 7. Armeecorps gefeyert. Die auf den Bivouaq der AvantGarde noch befindlichen Truppenabtheilungen rückten Abends 6. Uhr aus, und nachdem der deshalb erlassene Tagesbefehl ihnen bekannt gemacht worden war, wurde von der Cavallerie und leichten Infanterie ein dreimaliges Vivat ausgebracht, während zum Schluß die reutende [?] Batterie 30. Victoriaschüße that. Die kleinen GewehrSalven unterblieben wegen der Nähe des Feindes diesmal.

Sonst erfolgte diese ganze Zeit über, außer der Vertheilung 1. goldenen und 6. silberner Medaille, von der Schlacht bei Podobna (S.83) und denen früherer Gefechten her, wozu das vor- und hinter Sorczyn bivouaqirende Husaren Regiment den 9. Septbr zu einer Parade zusammenrückte, nichts, was nur einige besondere Bemerkung verdiente. –

Ich benuze diese Pause, um hier im Allgemeinen etwas über diejenigen rußischen Provinzen niederzuschreiben, die wir sowohl bis hieher als in der Zukunft durchstreiften.

 

Allgemeine Bemerkungen über Litthauen und Vollhynien 

Sitten und Kultur, Landesart und Gebräuche sind in Litthauen und Vollhynien noch ganz die früher geschilderten in dem alten Mutterlande Pohlen, von dem sie bei früheren Theilungen abgerißen worden sind; - nur weniger sandige, aber desto mehr sumpfige und buschigte Gegenden, - eine mehr in freyen .., im Größeren betriebene Pferdezucht, die eine ahnsehnlichere und größere Race, als die im Großherzogthum Warschau befindliche, bewirkt, und  - der häufig sich eingemischt Cultus der griechischen Kirche sind es, die den flüchtigen Reisenden am ersten ins Auge fallen.

Der Boden meist lehmig, ist fruchtbar und sehr ergiebig. Wir trafen nächst der neuen Erndte auf dem Halme, noch ganze vorräthige ältere in großen Feimen, im ◘ oben drin [?] am Dachschräg zugeschichtet, im Freyen an, welche sich von weiten wie Häuser praesentierten, und wo nach Versicherung der dasigen Einwohner ein solcher Feimen oft gegen 6-800 Schock Garben enthielt. Der größte Theil des Getreides das in Ermangelung schiffbarer Flüße schwer abzufaren ist, wird auch hier als Handels Articel zur Fabrication des Brandeweins verwendet der jedoch bei weiten reichhaltiger an Graden und stärker als derjenige ist, den man im Herzogthum Warschau erzeugt. Die Menge des Stoffs hierzu ließ sich von von  den großen BrandweinLagern schließen, die man auf jeden beträchtlichen Guthe antraf. Mangel an diesem Articel und an Fourage war daher nicht denkbar, so lange keine vorsezlichen und muthwilligen Verherungen eintraten. Ich weis Fälle, wie z. B. in Wieli Krinky, wo das ganze 7te Armee Corps sich auf mehrere Tage von einzelnen der gleichen großen Güthern auf dem Marsche mit Brandweine verpflegte, (S.84) ohne daß dadurch die Vorräthe ganz erschöpft wurden. An Schlachtvieh aller Art war ebenfalls kein Mangel, nur Brodt in größerer Quantität war schwer aufzutreiben, weil der hiesige wie der pohlnische Bauer, bei der Einrichtung, Handmühle und Backofen im Hause zu haben, seinen Bedarf immer nur auf einen Tag einschränkt.

Eine Policey Einrichtung, die in diesen rußichen Provinzen eingeführt war, schien mir aufzeichnungswürdig und nach nachahmungswert, es war nämlich ein Regulativ, mit welchen Löschgeräthschaften jeder Hauseigenthümer eines Fleckens oder Städtchens bei einer entstehenden Feuersbrunst an der Brandstelle erscheinen mußte. Eine Anstalt und Bereitschaft die nicht frühzeitig genug erörtert werden kann, weil außerdem sonst manche Löschgeräthschaft in einer nichtbedarftenden Mehrzahl erschien, indes anderes nöthige gänzlich ermangelte.

Es ist nämlich jeder Hauseigenthümer nach seinem Gewerbe und Hausgeräthschaften taxiert, und hiernach bestimmt worden,  womit ein jeder bei einer eintretenden Feuersbrunst erscheinen muß. Um keine Ungewißheit und Zweideutigkeit dieser Gegenstände stattfinden zu laßen, findet man über jeder auswendigen Thürschwelle ein hölzernes Täfelchen, etwas größer wie zu unsern Hausnummern befestiget, worauf zur Versinnlichung dasjenige Stück darufgemalt ist, womit er erscheinen muß.So findet man z. B. angeschirrte Pferde, Wagen, Waßerkübel, Scvhleisten, Eimer, ..[?]  Hacken, Feuerhaaken und dergleichen. Ich hielt dies anfänglich gleich Gasthöfen für eine Benennung der Häuser, bis ich durch die Mehrzahl dieser Gegenstände aufmerksam wurde, und bei gehaltener Nachfrage den Zweck ihrer Bestimmung erfuhr. Wenn pünctlich auf die Erfüllung dieser Vorschrift angehalten wird, so kann eben der nöthigen Löschgeräthschaften ein mangeln diese Anstalt scheint ihren Ursprung dem Mangel an Sprizen zu verdanken, die in diesen Provinzen und selbst in den Städten wohl sehr selten sein werden.

Ich kehre zu den abgerißenen Faden der Geschichte zurück. – Die Ankunft und Vereinigung der Moldau Armee mit Tormas-(S.85)sows Corps konnte unsern Heerführern nicht unbekannt bleiben, weil sie eine zu große Regsamkeit in den gegenseitigen Lägern, und das Vorschieben mehrerer Cavallerie über den Styr zur Folge hatte.

 

Große Recognoscirung gegen Luczk

 [ hier hat der Autor vergessen, das z im Ortsnamen zu streichen ] 

Um  sich daher näher von der Stellung und den Absichten des Feindes zu überzeugen, erfolgte am 19. September eine allgemeine Recognoscirung gegen Luck, an der unsere sämtliche und der größte Theil der österreichischen und pohlnischen Cavallerie unter Leitung der Armee Corps Commandanten Fürsten von Schwarzenberg und Grafen Reynier Theil nahm. Der Feind hatte eine uns gewachsene Cavallerie auf das dießeitige Ufer gesezt, die unsere Annäherung an selbiges abzuwehren suchten, um die feindlichen Anstalten, die man schon jenseits an mehreren Punkten zum Uebergange traf, uns geheim zu halten. Man ward dadurch handgemein, und es erfolgten, da blos Cavallerie gegen Cavallerie agirte abwechselmde sowohl geschloßene als Schwärm Attaquen, bei denen der Feind mehreremale bis an seine Ufer gänzlich zurückgeworfen  wurde, und die, ohnerachtenst eines grausenden wilden Geschreys mit denen sie vollbracht wurden, dennoch wenig Verlust auf beiden Seiten zur Folge hatten, das Ganze glich überhaupt in einiger Ferne, einen großen Exerzierplaze, auf welchen von mehreren Regimentern ein großes Cavallerie Manövre executirt wurde. Am längsten und bis zur eintretenden Nacht, war unsere Cavallerie mit ihm engagiert, indem die beiden mitgebrachten reitenden Canons / die einzigen der ganzen Recognoscirung / die einige Schuß auf sie gethan hatten, sie anlockten, uns ohne selbige nach Hause zu schicken. – Die Nacht und ein eintretender Regen brachten uns endlich aus einander, wir erwarteten den anderen Morgen, gegen den Saum des Waldes zurückgezogen, in der möglichsten Bereitschaft aux bivouaq, und trafen am anderen Vormittage, ganz durchnäßt, indem der Regen bis gegen Morgen in Strömen herunterfloß, in unserer Position bei Torczyn mit den Verlust zweier Pferde, die an erhaltenen Schußwunden crepirten, wieder ein.

Eine zusammengestoßene beträchtliche Abtheilung österreich-,(S.86)sächs- und pohlnischer Cavallerie, unter Commando des oesterreichischen General Zechmeister übrigens am 20. Septbr, wo alles wieder in seine vorigen Stellungen zurückging, an den linken Ufer des Styr zurück, um den Feind und seine Bewegungen ferner zu beobachten. Der Gen Tormahsov hatte früher im Dorfe Niezwitz bedeutende  Vorräthe und Militaire Requisiten zurücklaßen müßen, die zwar verborgen gehalten, doch von den feilen Juden verrathen worden waren. Der Gen. Zechmeister bemeisterte sich mit seinen fliegenden Corps noch am mämlichen Tage derselben, und brachte die darauffolgende Nacht vor diesem Orte im Bivouaq zu, sich durch ausgestellte Vorposten, unter denen neu errichtete pohlnische Cavallerie sich befand, hinlänglich gedeckt glaubend. Allein am 21. Septbr früh gegen 2 Uhr, wurde die pohlnische FeldWacht dergestallt überrumpelt, daß sie mit dem Feind zugleich von Niezwitz eintraf, wo alles, was sich nicht mit der Flucht retten konnte, unvorbereitet und nach einen geringen Widerstand in ihre Hände fiel. Der Maj. Zettritz, der Prem Lt v Schirnding und noch 14. Unteroffiziers und Gemeine mit 10. Dienstpferden hatten vom Husaren Regimente hierbei dieses Schicksal, nur mit Mühe entkam noch für seine Person der Gen. Zechmeister der am 21.ten Morgens mit dem Verluste seiner Equipage in Torczyn eintraf. Die möglichste Vorsicht und die größte Bereitschaft, wurde nunmehro auch ohne noch besonders empfohlen zu werden, auf uns am weitesten Vorliegenden, um so einleuchtender, als der schon längst befürchtete Schlag um so näher und unvermeidlich schien. 

Vergleich der beiderseitigen Armée Corps 

Beide rußische combinirte Corps, hatten nach Abzug des Abgangs, den die Moldau Armée auf ihren beschleunigten Märschen und sonst erlitten, nach authentischen Angaben am 18 Septbr 1812, die Stärke von 55,000. Mann, incl einer ansehnlichen Cavallerie, als Tormaßows Corps 25,000. Mann, und Tschitschagows 30,000. Mann, - wir als rechter Flügel der großen Armée hingegen, konnten diesen, nach einen ansehnlichen feindl. (S.87) Verluste, und sonstigen beträchtlich. Abgange an Kranken, bleßirten und maroden, höchstens eine Maße von 42,000. Mann mit einer minder beträchtlichen Cavallerie entgegensezen, als 25,-26000. Mann Oesterreicher, 12,000 Sachsen und gegen 4-5000. Mann neu errichteter Pohlen. – Eine fernere Behauptung von Vollhynien war unter diesen Umständen nicht mehr möglich, weil der feindliche gegen den Bug sich dirigirende linke Flügel das Herzogthum Warschau bedrohete, und man selbst bei einem Rückzuge nach Litthauen uns und der großen Armee, die Communication mit selbigen ganz abschneiden konnte. Man war daher hierauf und auf eine unvermeidliche feindliche Offensive schon früher Bedacht gewesen, und hatte, besonders österreichischer Seits Gepäck und Reserve Artillerie schon früher gegen und über den Bug zurückgeschickt.

Zweite Offensive der Rußen 

Den 22ten September überschritten die rußischem Colonnen den Styr, und sezten sich vorwärts in Bewegung. Wir behaupteten troz der geringen Entfernung von nur 2 ½ Stunden vom ruß. Hauptquartier Luczk noch bis zu diesen Nachmittag unsere bisherige Position bei Torczyn, wo unsere Vorposten bemerkten, daß man sie zwar in ihrer Aufstellung in Ruhe ließ, uns als das Gros der Avant Garde des 7ten ArmeeCorps aber , unter Begünstigung eines rund uns umgebenden Waldes zu umgehen suchte. Die vor und hinter Torczyn postirten Abteilungen wurden hierauf rückwärts des Orts auf den gemeinschaftlichen Sammelplatz zusammengezogen, und da bis spät Nachmittags sich nichts feindliches zeigte, Abends ¼ Stunde bis an einen an der Straße nach Kycelin liegenden Judenkruge zurückgegangen, wo wir nunmehro die bedrohete Gegend als Ebene vor uns, und die Pferde am Zügel habend, ohne Feuer, in der möglichsten Stille, und in der gewißen Erwartung eines zuspruches durchwachten; allein auch sie verstrich und der gegen Wladimir Wlodzimir vordringende Feind ließ uns in seiner rechten Flanque ganz ungestört stehen, indem sein Augenmerk nur vorwärts gegen den Bug und das Herzogthums Warschau gerichtet (S.88) zu sein schien. Wir verweilten noch den ganzen 23. Septbr. in der Nähe von Torczyn, schoben unsere Biwouaq von der nächtlichen Lagerstelle nur ½ Stunde auf der nach Wladimir führenden Straße vor, und stellten uns bis Abends ½ 11. Uhr , wo unser Abmarsch erfolgte, hinter einer Anhöhe beim Dorfe Saturni auf.

Den 24. Septbr früh 1. Uhr erreichten wir Kycelin, ruheten bis mittages Anbruch in dem von unserer 1sten Infanterie Division verlaßenen Lager aus, und gingen noch bis zum Lagerplaze unserer zweiten Infanterie Division bei Makowoda zurück wo wir übernachteten. Der Feind besezte an diesen Tage noch Kycieszelin und schickte seine Patrouillen bis nahe an Manowoda vor, um uns zu beobachten. Tags darauf erfolgte unser Aufbruch, die Lager Equipage sezte sich früh 3 Uhr, die Infanterie um 4. Uhr und wir um 5. Uhr früh in Marsch nach Turisk, wo wir bei einen anhaltenden Regenwetter, ohne weitere Beunruhigung und unter bloser Beobachtung des stündlichen Vortrabs, Mittags eintrafen, und unsere früher innegehabte Stellung wieder bezogen. Der schon früher erwähnte vor uns gelegene und leicht zu vertheidigende Damm sicherte unsere Bivouaqs bei der diesmaligen Nähe des Feindes. Nachdem die über selbigen vorgeschoben gewesenen leichten Infanterie Abtheilungen den 26. Septbr mit anbrechenden Morgen die Brücke in Brand gesteckt hatten, wodurch die anliegende Mühle zugleich in Feuer mit aufging, sezten wir früh 4. Uhr unsere weitere Rückzug auf Luboml fort, und übernachteten bei Turiczanny.

Das Corps bewerkstelligte seine Retraite in Einer Colonne, seine Equipage an der Spize habend.  Die Wege in dieser äußerst morastigen Gegend schon an und für sich schlecht, waren durch einen 24. stündigen Regen noch inpracticabler worden, das Ganze bewegte sich daher nur langsam fort und hatte an mehreren Puncten durch zu beseitigende Terrain Hinderniße, sogar kurzen Aufenthalt. Wir als ArriereGarde folgten immer in gleicher Distanz. – Der Feind hatte die Paßage bei Turisk bald (S. 89) wieder hergestellt , und folgte uns auf dem Fuße. Vorzüglich am 27ten wo der Marsch .. äußerst stockte, suchte er unter fortdauernden Beunruhigungen gewaltsam vorwärts zu drängen. Um der Equipage und unsere Infanterie Colonnen Zeit gewinnen zu laßen, den nach Stabozik führenden Damm in Ordnung zu paßieren, hielten wir hinter Stafky an, und lagerten uns quer von der Straße, auf eine kleine Ebene, die sowohl im Rücken als auch bei den Flanquen ein mit Sümpfen durchschnittenes Holz und Gebüsch umschloß, und ein förmliches Vordringen blos auf die Landstraße beschränkte, die wir gleichsam verriegelt hielten. Wir lagerten uns auf dieser kleinen Ebene, nachdem der größte Theil unserer leichten Infanterie in das angrenzende Gebüsch postirt worden war, und Patrouillen das Gehölz in mehreren Richtungen nach Möglichkeit durchstreiften: - der Feind, dem unser langer Aufenthalt daselbst lästig ward, vermied einen Angriff auf unsere Front, und suchte uns in unserer rechten Flanque durch das Gebüsch zu umgehen, aber der weit ausgedehnte und zusammenhängende Sumpf machte dies unmöglich, und wies jeden Versuch fruchtlos auf die von uns besezte Landstraße zurück. Es ward Nacht, und noch behaupteten wir diese gedrängte Stellung. Man näherte sich uns in kleinen Abtheilungen vom Walde aus, bis an unsere Wachtfeuer, und beschoß uns sogar mit einem im Holze vorgeschobenen Canon, was uns jedoch wegen seiner Nähe überschoß und nicht den mindesten Schaden zufügte. Erst um 11. Uhr Nachts, nachdem wir alles gesichert glaubten, und der feindliche Andrang immer heftiger wurde, brachen wir auf, paßirten, nachdem wir die am vorliegenden Damme befindl. Brücke und Mühle zur Deckung unserer Retraite in Brand gesteckt hatten, Stabozik, und trafen nach Mitternacht 1 Stunde dahinter, auf den gemeinschaftlichen Bivouacq des Corps ein, wo wir bis früh 6. Uhr ausruhten, Mittags bei Radzikow futterten, und Nachmittags bei Luboml eintrafen, wo wir auf den rechten Flügel unserer, (S. 90) auf den Höhen links gelagerten Infanterie Position nahmen.

Der Morgen des 29.ten Septbr – es war der Michaelistag – zeigte uns in der vorliegenden Ebene mehrere feindliche Infanterie Abtheilungen, die sich unserer Stellung zu nähern suchten. Man detachirte ihnen ähnliche entgegen zwischen welchen bald ein lebhaftes Blänkerfeuer begann, das den größten Theil des Tages fortwährte, während das Corps selbst durch hin und hermarschiren in seiner Stellung demonstrirte, und so verstrich dieser Tag, der unserer nach dem Bug rückwärts abgesendeten Equipage den Vortheil gewährte, einen bedeutenden Vorsprung zu gewinnen.

Hinter unserer Aufstellung bis nach Opalin und von da bis zum Bug, Orusk gegenüber wo eine sächß Schifbrücke geschlagen wurde, erstreckte sich ein 4. Stunden langer Wald mit einigen Dörfern untermischt. Waren die Wege dahin schon an und vor sich schlecht, so wurden sie durch den früher gefallenen vielen Regen noch unbrauchbarer gemacht. Die Equipage des Corps mehrere Vivres, die Handpferde der Cavallerie Regimenter und vorzüglich eine beträchtliche Anzahl noch dieseits des Bugs zusammengebrachten Schlachtviehes wurden daher schon von Mittag an nach Orusk als dem Uebergangspuncte dirigirt wo die äußerst dunkle Nacht über von Infanterie Piketts in kurzen Distanzen am Wege Feuer unterhalten wurden, welche die zu nehmende Richtung marquirten. Die niedrigen Ufer des Bugs, durch den Regen theils überschwemmt theils unter Morast gesezt, legten durch erste anzugende Knitteldämme diesseits und jenseits der Brücke, der Paßagen noch mancherley Hindernuße in den Weg, die erst gegen Morgen des 30sten Septbr befestiget wurden, worauf der Uebergang ins Großherzogthum Warschau erfolgte. Die längst den Bug herunter schwär-
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menden Cosaken erschienen jedoch schon, ehe selbiger gänzlich beendiget werden konnte, so daß eine Menge kleiner pohlnischer Wagen mit Lebensmitteln verbrannt und der größte Theil des requirirten Schlachtviehes zurückgelaßen werden mußte, ja das Abbrechen der Brücke selbst, konnte nur unter gegenseitigen Blänkerfeuer bewerkstelligt werden, wovon einige Sappeurs unserer Seite verwundet wurden. Die Equipage dirigirte sich nach dem Uebergange von Orusk nach Wlodawa, während das Corps am 30ten ejodem noch jenseits bis über Opalin zurückging, wo es bei letzteren Orte in der Nacht zum 1. Octbr durch Wegname einer Feldwacht von Cavallerie und leichten Infanterie, die im Holze umgangen wurde, einigen Verlust erlitt. – 8. Mann und 9. Pfe. geriethen vom Regimente hierbei in Gefangenschaft. – Den 1. Octbr paßirte das Corps bei Olszanka ebenfalls den Bug, so daß an diesem Tage das gesamte 7te Armée Corps die russisch pohlnischen Provinzen räumte und sich bei Wlodawa concentrirte,
Der Admiral Tschitschagow traf mit dem Gros seiner Armée den 3ten October zu Archowka – Wlodawa gegenüber – ein, und detaschirte auf dem rechten Ufer des Bugs entlang die beiden Corps von Ejsen und von Langeron nach Brczesc den Fürsten Schwarzenberg entgegen, der aufs neue daselbst über den Bug gegangen war und an der Muchawez eine Stellung genommen hatte. 

Zweites Überschreiten des Bugs und Position bei Brczesc 
Unsere Infanterie Divisionen mit der 5ten und 8ten Escadron Husaren paßirten bereits den 4ten October vom Bivouaq bei Therespol aus, bei Brczecz den Bug, die übrigens Escadrons des Regiments hingegen erst den 7. Octbr, und beide Corps stellten sich den jenseitigen rechten Ufer in einer dergestaltigen Schlachtordnung auf, daß der rechte Flügel auf 
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welchem das 7te Armee Corps sich befand, an den Fluß Muchawetz, der linke hingegen, den die österreichische Division Trautenburg bildete, gegen die Lezna an ein Gehölz sich anlehnte. Die Front war durch Redouten gedeckt.
Beide Heere standen gerüstet einander gegenüber und eine Schlacht schien unvermeidlich, allein außer einen feindlichen Angriff auf den österreichischen linken Flügel am 8ten Octbr Mittags, der aber zurückgewiesen wurde geschahe nichts ernstliches. –
Den 8ten 9ten und 10ten rückten die Regimenter aus ihren Bivouaqs in die Position und gingen Abends dahin wieder zurück ohne etwas anderes als leere Demonstrationen zur Folge zu haben.
Brczesc, das in diesem Feldzuge so oft schon unsere dringendsten Bedürfnißen abhelfen mußte, besorgte Rationen und Portionen, nur der Holzmangel war für unser Regiment, das auf einer von Holz entbloeßten SandEbene bivouaqirte äußerst fühlbar, und nur durch tägliches Einreißen einiger von Holz aufgeschränkten Häuser, die sich in unserer Nähe befanden und verlaßen waren, konnte der dringendste Bedarf aufgebracht werden, da die Nächte schon fühlbar kalt wurden und auch am Tage zum Kochen Feuermaterial nöthig war. Bei einer solchen Gelegenheit, wo von jeder Compagnie Mannschaften zum Einreißen und Holzfaßen comandirt wurden, ereignete sich am 10. Octbr Abends der Unglücksfall, daß der Hus Mietzschke der 7. Escadron beim angeordneten Einreißen einer Scheune, worinnen sich die Pferde des bei unseren Bivouaq willkührlich sich aufhaltenden österreichischen General Flagger befanden, von einem sich weigernd entgegenstellenden Adjutanten deßelben, auf der Stelle erstochen wurde, welches bei erfolgter Rüge unserer Seits, deßen Austreten. – aber wahrscheinlicher, deßen Zurücksendung in die österreichischen Staaten zur Folge hatte.
Da ein Angriff unserer Seits nicht erfolgte und die Zeit un- 
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genüzt dahin strich, so traf der Admiral Tschitschagow Anstalten, welche einen Angriff vermuthen ließen, denn er ließ seine Armée am 10. Octbr die Muchawez drey geschlagenen Brücken paßiren. Die beiden dießeitigen Heerführer Fürst Schwarzenberg und Graf Reynier wurden bei einer am 9. ejsd veranstalteten allgemeinen Recognoßzierung durch die feindliche Überlegenheit und das ungünstige ebene Terrain bei einer äußerst geschwächten Cavallerie zum Rückzug bestimmt, welcher hierauf den 11. ejsd früh ½ 3. Uhr an einen äußerst neblichten Morgen auf der Straße nach Bijalystok über die Lezna auch erfolgte. 

Rückzug der Alliierten über die Lenczsna 
Dieser Morgen unsers stillen Abziehens war feindlicher Seits zum Angriff bestimmt gewesen, allein sie fanden unsere Position verlaßen, und als die feindliche AvantGarde die Lenczna erreichte, hatte unsere ArriereGarde bereits den Fluß paßirt, die Brücken darüber abgebrochen und sich beim Dorfe Bysczick9 in Schlachtordnung aufgestellt. Der Feind zog sich nun an den jenseitigen Ufer der Lesna hin, und nahm unserer Stellung gegenüber beim Dorfe Klinicke10 Position – Unsere leichte Infanterie tiraillirte, während unsere ..tende Batterie durch Granaten, Klinicke in Brand stekten, was rußischer Seits gegen Bysczick erwiedert wurde, so daß beide Dörfer größtenteils nieder brannten und aus der Ferne die Wirkungen gehemmter Wuth empfinden mußten. Die Cavallerie vom Terrain zu agiren gehindert, machte bei diesem Schauspiel auf einer Anhöhe hinter unserer Position einen ruhigen Zuschauer, bis sie späterhin gegen Abend in dieser Stellung von den sich nähernden Feinde durch Geschüz tournirt wurde.
Dieser von unserer ArriereGarde bewerkstelligte Aufenthalt des feindlichen Corps, verschafte dem unsrigen einen un- 
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gestörten Rückzug bedeutenden Vorsprung, obschon durch den Verlust zweyer sehr gesäzter Staabsoffiziere und Schöpfer unserer so tapferen und gut organisirten leichten Infanterie, des ObLieuten. von Egidy und Major von Metzsch, wovon lezterer auf dem Plaze blieb, ersterer aber tödtlich verwundet wurde und darauf in Warschau starb, unserer Seits theuer bezahlt wurde. Mit einbrechender Nacht folgten wir unserem Corps nach Wollczyn, und den 13ten October nach dem Abbrennen der Brücke bei diesem Orte, über Ostrowo nach 

Zweiter Rückzug über den Bug 
Mielnick den Bug hinunter, worauf wir den 14ten ejsd Abends 9. Uhr bei Sobibor wieder über den Bug hinüber ins Herzogthum Warschau gingen und uns nach Biala dirigirten, um den verschiedenen feindlichen Abtheilungen, die bei Brczesc den Bug paßirt hatten, ins Herzogthum Warschau eingedrungen waren und Contribution eintrieben, Einhalt zu thun. – Der Fürst Schwarzenberg war nach Wacyrow zurückgegangen.

Unterhalb Ostrowo am Bug stießen wir auf ein Dorf ganz nach deutscher Bauart ausgeführt und mit vorleuchtender Reinlichkeit im Innern der Wirthschaften. Es war der deutsche Colonieort Fürstendorf, aus ausgewanderten Würtenbergern bestehend, die sich hier angesiedelt und die deutsche Mundart beibehalten hatten.
Der Admiral Tschitschagow, welcher sahe, daß der Fürst Schwarzenberg eine Schlacht durchaus verweigerte, und der in der schlechten Jahreszeit mit dem Groß seiner Armée sich nicht so tief ins Herzogthum Warschau hineinwagen wollte, gönnte seiner Armée nunmehro einige RuheTage und detachirte den General Sacken nach Pruszanna, um vorwärts die feindlichen Bewegungen zu beobachten, indeß er den General Essen mit einem Corps von 10,000. Mann nach Byala [96 ] vorschickte, theils um den General Graf Reynier der sich mit dem 7ten Armée Corps dahin in Marsch gesezt hatte zu beobachten, theils die übrigen ins Herzogthum Warschau vorgeschobenen Abtheilungen zu unterstüzen. Zum Soutien war ihm der General Langeron beigegeben, der mit einem zweyten Corps in Distanz folgte.
Der General Reynier dirigirte sich nach dem Rückzug über den Bug mit dem 7ten ArmeeCorps über Kalusczyn, Sarnicky, Korniza und Kopilany nach Byala, wo es den 17. October anlangte und sich aufstellte. Die Cavallerie auf der Straße nach Brczesc vorgeschoben, bivouaqirte auf einem mit Gebüsch durchschnittenen Terrain am Saume einer beträchtlichen Waldung. Vorgesendete Patrouillen und Recognoscirungen stießen auf feindliche StreifCommandos, von welchen in Woserick nicht nur 1. Kosakenoffizir mit einigen Mann zu Gefangnen gemacht wurden, sondern der Sec Lieut von Ende vom Hus. Rgmt. Nahm auch dem Feinde die Tages vorher in Byala auf einigen 30. Wagen requirirten Lebensmittel wieder ab und brachte selbige samt der Escorte von 1. Offizier und 11. Gemeinen Infanterie. -
Der Admiral Tschitschagow von dieser Bewegung benachrichtigt, befahl am 17ten den General Essen mit einem Corps von 10,000 Mann nach Byala loszumarschiren, jedoch dieser Auftrag mit gehöriger Vorsicht und möglichster Auskundschaftung der feindlichen Stärke zu vollziehen. Beide leztanbefohlenen Maasregeln unterblieben jedoch. Er drang am 18ten auf der Straße von Brczesc gegen Byala so rasch vor, daß das Regiment in möglichster Eile seinen Bivouaq verlaßen und sich aufstellen mußte.
Ein stundenlanger Wald mit unbereinigten Gebüsch, der 

[97] sich erst kurz vor Byala  endigt, hinderte sein  rasches Vordringen und Entwickeln seiner Colonnen. Dies für uns so günstige Terrain ward von unserer Infanterie so vortheilhaft benuzt und der andringende Feind so kräftig empfangen, daß er mit dem Verluste mehrerer hundert Mann und einem 12 Pfund Canon mit Bespannung und sämtlicher Bedienung, von der leichten Infanterie erobert, gänzlich zurückgeworfen und geschlagen wurde.

Der diesseitige Verlust war gegen den feindlichen ganz unbedeutend.– Acht Mann und 8 Pf. wurden vom Husaren Regiment vermißt, auch blieb der Major v. Trotha vom chev leg Regiment von Polenz durch eine Gewehrkugel in Front gedachten Regiments. Nach dieser Schlappe eilte der Admiral mit dem ganzen Rest seiner Armee herbei,  um den General Reynier anzugreifen, doch letzterer vermied mit seinem geschwächten Corps einen Angriff, verlies den 19ten Biala und zog sich in die Gegend von Sokolow, worauf der feindliche Heerführer, da er die Position verlaßen fand, ebenfalls wieder in seine Cantonnierungen zurückkehrte.

Das Regiment bezog nunmehr vom 20. bis mit 28ten October Bivouac bei Czable einem unbedeutenden Dörfchen und deckte sich gegen den Bug durch vorgeschobene FeldWachten, die von den Cosaken, die den Fluß durchschwammen und sich in den Weiden Gehegen heranschlichen, oft beunruhigt wurden. Am 23. ejsdem wurden selbige mit Uibermacht gegen den Bivouaq zurückgedrängt wodurch dieser allarmit wurde. Außer einem bedeutenden Verlust der Feldwacht, wozu das Husaren Regiment 8 berittene Mann zubüßte, hatte dieser Angriff weiter keine Folgen. [98]

 

Spezielle Uibersicht des Regiments und generelle Lage des Corps

Das Corps war dieser RuheTage sehr benöthigt, indem es durch feindlichen Verlust und den vielen Kranken und maroden schon bis auf 2/3 seines ausmarschirten Bestandes geschmolzen war, auch die steten Beunruhigungen des Feindes den Dienst sehr überhäuften. – Man sagt sich,  der Kaiser Alexander habe bei Eröfnung des Feldzugs den Kosaken Hetman Platow gefragt, ob er mit seinen Cosaken der feindlichen Cavallerie gewachsen zu sein glaube. Dies soll er verneint jedoch hinzugefügt haben, daß er ihnen weder Zeit zum Eßen und Trinken noch zur Ruhe gestatten wolle. Er erfüllte sein Versprechen treulich, den oft waren wir nach beschwerlichen Märschen kaum erst mit Kochen beschäftigt, oder glaubten des Nachts auf unseren einsamen Bivouaqs etliche Stunden auszuruhn, so hatten uns die überall nachspürenden Kosaken ausgewittert, es entstand daraus bald kleiner bald größerer Allarm, was gewöhnlich völliges Aufsizen und manchmal sogar die Veränderung unseres gewählten Ruheplazes zu Folge hatte. Die Ermüdung und Anspannung unserer Kräfte war richtig berechnet, und deren Folgen schwächten uns mehr als eine große Schlacht oder mehrere einzelne Gefechte, Verlust für uns herbeigeführt haben würde. Auch herrschte zwischen den beiderseitig agirenden Corps der bedeutende Unterschied, daß das feindliche jeden Verlust an Truppen und Requisiten aus seinen Provinzen und Depots sofort wieder ergänzen konnte, während man bei den unsrigen solches oft kaum in halber Jahresfrist zu bewerkstelligen imstande war.

Das HusarenRegiment zählte am 31. October 1812:

65 Mann 27 Pferde abwesend in den Felddepots und bei der Wagenburg 76 Kranke, 18 Bleßirte, 103 Gefangene und Vermißte, ferner 85 marode und 144 fehlende Pferde sämtliche dem dienstlichen Bestande abgehend.

Die Unglücksfälle der großen Armée, so geheim sie auch [99] gehalten wurden, verbreiteten sich demohngeachtet auch bald zu uns, doch flüsterte man sich Anfangs nur unter dem Siegel der großen Verschwiegenheit zu, weil man bei dem gewohnten Kriegsglücke der Franzosen sie mehr für eine Erfindung des Feindes als für Wirklichkeit hielt, und beim öffentlichen Weiterverbreiten schwere Verantwortung befürchtete. Zwar schien diesen Gerüchten dadurch etwas zum Grunde zu liegen, daß man den MannschaftsErsaz der bei der großen Armée stehenden schweren Cavallerie, statt dorthin zu dirigiren, von Warschau aus zur Dienstleistung zu uns stoßen lies, daß aber die Lage derselben so schrecklich sein könnte, wie sie das 29. Armée Bulletin selbst, obschon noch mit gefälligeren Farben schilderte, schien unglaublich zu seyn.

Auch auf uns, obschon des nördlichen Climas gewohnt, war der in Pohlen dieses Jahr weit früher eintretende Frost sehr nachtheilig einwirkend, und daß umso mehr, da sämtliche Bekleidungsstücke ganz heruntergerißen waren, Gelegenheiten und Zeit zur Reparatur sich wenig zeigten, kein Wechsel denkbar war, und der Dienst immer die völlige Bekleidung erheischte. Der fühlbarste Mangel beim Corps waren Stiefeln und Schuhe, die heruntergerißen und zum Theil am Wachtfeuer verbrannt oft keine Herstellung mehr zuließen, und bei der großen Kälte und hohem Schnee doch unentbehrlich waren. Die Sorge der Selbsterhaltung wich hier der Etikette [gemeint ist: Etikette wich der Selbsterhaltung] und selbst den sonst so strengen militärischen Ajoustements Vorschriften, die hier nicht zu behaupten mögliche Reinlichkeit der Wäsche und der Aufenthalt und Umgang bei und mit den Pohlen selbst, trug auch bald jenes daselbst häufige Insect auf uns über, und stumpfte den Ekel für Unsauberkeit und die schamhaften Gefühle der Blöße bedeutend herunter. Ein oft schmuziger langer pohlnischer Schaafpelz, eine graue oder braune Kutte, Perzverbrämungen [100} an Füßen und Gesicht, alles war erlaubt, sobald der Mann nur völlig bewafnet und dienstfähig war. Uibrigens glichen wir ganz den Nomaden, die stets ihre ganze Wirthschaft mit sich führen, und die überall aufzuschlagen imstande sind. Aufgebundene Kaßeroln, Töpfe, Querle und andere Kochgeschirre, so ein Stück Fleisch, oft Viertel und Hälften von Schöpsen und Schweinen nebst Geflügel gehörten hiermit zu der nöthigen Equipage, die jeder so gut er nur konnte, auf dem Pferde mit fortzubringen suchte. –

Den Bart, heils freiwillig, theils aus Mangel an Zeit und Gelegenheit im ganzen Gesichte stehen gelaßen, das Gesicht von Rauch und Schmuz geschwärzt und der Mann selbst durch die Lage der Umstände verwildert, so glich er in seinem Aeußeren oft jenen asiatischen Horden, die später als HalbMenschen von unserer Nation angestaunt und bewundert wurden. So drückend und aufloesend übrigens die Lage im Ganzen war wo Feind und Element gleich verderblich herbeistürzten, so wenig war Murren und Unzufriedenheit im Ganzen sichtbar, weil Hohe und Niedere, Befehlende und Untergebene hier gemeinschaftlich ein nicht ausreichendes Schicksal theilen mußten. Auf mehrtägigen Mangel folgte gemeiniglich eine wieder ausgleichende Entschädigung und ein mehrerer freyer Wille in seiner selbst herbeischaffenden und seinem Wohl überlaßenen Verpflegung, der aber nie zur Zügellosigkeit ausartete, machte ihm das Unbequeme und Gefährliche der Lage und xx [?] zeitvergeßend.  Er bewahrte treu den sächsischen NationalCharacter – unbedingte Liebe und Ergebenheit in jeder Lage an seinen Fürsten – und je größer oft die Gefahren, die Feind und Element ihm entgegenstellten, desto muthiger und troziger ging er seinem Schicksale entgegen. – Doch ich entferne mich zu weit vom Ziel, deshalb zurück zum Faden der Geschichte:

 

Einwirkungen der Unglücksfälle der großen Armée auf den verbündeten Flügel

Der Glücksstern der französischen großen Armée war indeß in den Fernen Rußlands untergegangen und seit dem 15ten October befand sich selbige auf dem so zerstörenden Rückzuge von Moscau nach der Beresina. – Smolensk und Minsk waren von Napoleon zu EtappenOrten und großen Niederlagen von Lebensmitteln und Bedürfnißen bestimmt worden, aus welchen sich die retirirenden ArméeCorps verpflegen sollten. Minsk sollte rechts durch den Fürsten Schwarzenberg gedeckt werden, - diesen von dort zu entfernen und Minsk selbst zu bedrohen, war daher der Zweck der nunmehrigen Operationen Tschitschagows die ihm von Kaiser Alexander vorgezeichnet worden waren.

Nachdem selbiger durch herangezogene Verstärkungen immer noch 55 000 Mann stark, sein Corps hinreichend ausgeruht glaubte, tetachirte er selbiges und gab ihm folgende Bestimmungen:

Die Generale  Sacken, Eßen, Butaton und Lieven mit 27 000 Mann unter dem Oberbefehl des Generals Sacken sollten sowohl das 7te ArmeeCorps beobachten, als Vollhynien decken und die Verbindung mit dem Admiral Tschtschagow unterhalten, während

Letzterer selbst mit dem Rest von 28 000 Mann, worunter beinahe 10 000 Mann Cavallerie begriffen waren, unter deren Generalen Lambert, Langeron, Woinow und Tschaplitz sich auf Minsk und Bozisow dirigiren wollte, um sich mit dem General Wittgenstein zu vereinigen.

 

Drittes Überschreiten des Bugs und Bewegungen gegen Minsk

Den 27ten October marschierte der Admiral Tschitschagow von Brcesc ab, und traf den 31. ejsdem in Pruszanna und den 3ten November in Slonim ein, wo der Fürst Schwarzenberg fast zu gleicher Zeit bei Drobjeczin über den Bug ging, den 13ten November Slonim paßirte (welches der Admiral am 8ten verlaßen hatte) und sich ebenfalls auf [102] Minsk dirigirte. Die AvantGarde des 7. ArmeeeCorps ging am 29. Octobr. bei Waczilow auf einer von Kähnen erbauten Brücke wieder ins Rußisch pohlnische Gebiet hinüber, paßirte Dobyczin und stellte sich nur aux bivouaq auf. Den raschen Wechsel des Glücks nicht ahnend hatte man hier alle rußischen Hoheitszeichen übertüngt, und dafür solche und alle Barrieren mit der pohlnischen Nationalfarbe weis und roth vertauscht. Wie diese Anhänglichkeit an das alte Mutterland von den Rußen aufgenommen worden, wird gewiß später die Erfahrung gelehrt haben.  Am 30. October Abends langten 4 österreichische HusarenRegimenter als AvantGarde ihres Corps ebenfalls auf unserem Bivouaq an, woraufhin wir (Sachsen) uns tags darauf am Bug hinauf über Mielniek und andere schon längst besuchte Orte wieder in Marsch sezten. Der Major von Seydlitz vom UhlanenRegimentder am 1. November mit 1 Escadron Uhlanen und 2 Escadrons österreichischen Husaren eine Recognoscirung auf der Straße nach Brezesc vor, machte, blieb hierbei durch eine kleine Kugel durch den Hals getroffen, welche die Luftröhre zerrißen hatte, und wurde Tags darauf auf dem Kirchhof zu Dubiza militairisch beerdigt. Mit einer am 30. Octobr. vom HusarenRegiment abgesendeten starken Patrouille kam es ebenfalls zu einem Gefecht, worinnen wir 10 Mann und 13 Pferde als Gefangene einbüßten.

Das oesterreichische HülfsCorps hatte sich aber während der, zur Deckung deßelben, an den Bug hinauf unternommenen Seitenbewegung, indeßen uns vorgesezt, so daß das 7. ArméeCorps nunmehr den Nachtrab bildete. Wir richteten unseren Marsch auf Porosow und hatten bei Narewka und Pudna äußerst sumpfige Gegenden, und noch [103] schlechtere mit etwas Holz geebnete enge Wege zu paßiren, da die CavallerieBrigade die äußerste ArriereGarde formirte und die InfanterieDivision und Equipage voranlaßen mußte, so ward dieser aufgehaltene Marsch in einem so schwierigen Terrain um so unangenehmer, als der General Sacken von Pruczanny her uns drängte, um dem Schwarzenbergschen Corps wo möglich den Weg nach Wollkiowisk abzuschneiden.

 

Perroczow

Wir erreichten Perroczow am 7. Novbr, schlugen vor demselben am Abhange eines Berges Bivouaq und verweilten bis mit 10. ejsdem daselbst. Das Sackensche Corps war auf dem Fuße gefolgt und lies uns nicht aus den Augen. Die Jahreszeit wurde nun immer rauher, der Schnee häufiger und das Bivouaquiren durch eintretende Erkältungen der Gesundheit desto nachtheiliger; die sich täglich mehrenden Kranken gaben den augenscheinlichsten aber auch sichtbarsten Beweis hiervon, und doch konnte weder durch Ergänzung der Bekleidungsstücke noch durch zweckmäßigere Lebensmittel diesem Uibel vorgebeugt werden. Ein bis Mitternacht gegen innere Erkältung schüzendes Praeservativ war ein aus russischem Thee, Honig  und dem stärksten Brandewein zubereitetes warmes Getränke, von uns russischer Punsch genannt, weil seine Bestandtheile sowohl als auch dessen Geschmack und Farbe viel Aehnlichkeit mit dem gewöhnlichen Punsche hatte, und Magen und Eingeweide auf eine längere Zeit mit einer wohlthätigen Wärme aufräumte. Da die Ingedienzen an Thee und Honig fast bei jedem Juden zu erlangen waren, und starker russischer Brandewein zum Getränk geliefert wurde, so geschah es oft, dass solche Punschgelägchen beim helllodernden Wachtfeuer bald einzeln bald von mehreren Barakken gemeinschaftlich celebrirt wurden, und sie leisteten, sich darauf oft mit sparsamem Stroh bedstreuten hart gefrorenen Boden hingestreckt, bis Mitternacht den besten Erfolg, nach dessen Verkühlung dann freilich wieder das Feuer von außen und der Brandewein von innen die Natur durch künstliche Wärme unterstüzen musste. Daß nur gesunde, kräftige und harte Naturen dieser [104] Lebensart auf längere Zeit Trotz bieten konnten, bewies das Hinsiechen mehrerer und die Anzahl vieler, die den vaterländischen Boden nicht wieder betreten haben.

 

Recognoscirung gegen Rudna

Die 10ten Novbr. wurde eine starke Recognoscirung gegen Rudna unternommen, der der größte Theil der Cavallerie und ein Theil der reitenden Artillerie und leichten Infanterie beiwohnte, während die GrenadierBataillons Anger und Spiegel bei Michalky zum Replie aufgestellt waren. Der Terrain war äußerst ungünstig für Geschüz und Cavallerie, weil ein mehrstundenlanger Wald stets in Colonne zu marschiren gebot. Wir trafen die feindlichen Feldwachten aus Kosaken und Baschkiren bestehend beträchtlich von Rudna vorgeschoben an, und machten einige von ihnen, sowie 2 Wagen mit etlichen Husaren, auf dem Rückweg dafür begriffen zu Gefangenen. Da man von selbigen die Nähe und Stärke des feindlichen Corps erfuhr, und das Terrain bei einem entstehenden Gefecht viel aufs Spiel sezen lies, so wurde umgekehrt, und an diesem Nachmittage bis Michalky (am Ausgange des Waldes gelegen) am anderen Morgen aber nach Weli-Krinky (Groß-Krinky) zurückgezogen und dort Posto gefasst, woselbst auch unsere bei Veroczow zurückgelassenen Handpferde und Cadres eintrafen. Abends spät kam es zwischen einer unter Major v. Watzdorff abermals vorgesendeten Recognoscirung im Holz zu einem lebhaften Geblänkere, welches sich erst Abends spät am Saume des Holzes endete, und wobei vom Regimente 5 Mann und 7 Pferde verwundet wurden.

Einige seit dem 3. Novbr. vermisste RegimentsEquipagen trafen wir vor hiesigem Guthe vom Feinde geplündert und zertrümmert an. Der empfindliche Verlust hierbei waren die der WirtschaftsCommißion gehörigen Pappiere, zu der von ihr abzulegenden AdministrationsRechnung gesammelten Belege, welche in Schnee [105] und Koth getreten zerstreut umher lagen und nur wenig zu retten übrig ließen. Mit dieser uns sonst immer auf dem Fuß folgenden, jedoch durch ein eingetretenes Hinderniß sich etwas verspäteten und den rechten Weg verfehlten Equipage kamen zugleich 11 Mann und 11 Dienstwagenpferde in feindliche Hände.

 

Welikrinky

Das zu dem Dorf Welikrinky gehörige Guth mit sehr großen und weitläufigen WirtschaftsGebäuden versehen, lag vom Dorfe entfernt auf einer weiten Ebene, und gewährte wegen seinen SubsistenzMitteln und seiner freyen Lage eine gute militairische Position, deshalb hatte das Regiment auch bereits am 5ten Novbr. aux bivouaq bei selbigem zugebracht. Die Gebäude, obschon nur schimpel und einfach, waren gut unterhalten und von einem sehr bedeutenden Umfange, und verrieten sowohl Wohlhabenheit des Besizers als eine ausgebreitete und sehr gut unterhaltene Oeconomie, indem das ganze 7te ArméeCorps sich von den hier befindlichen BrandeweinVorräthen auf mehrere Tage versorgte und solche dennoch nicht ganz leerte. Einige Franzosen der bei uns befindlichen Division Durotte, die des Guten hierbei zu viel genossen, büßten ihre Unmäßigkeit mit dem Leben, und blieben als sprechende Zeugen ihrer TodesArt, neben den geleerten Gefäßen entseelt liegen.

Der 12. November traf uns aux Bivouaq bei Hornostowiec, einem in einem freundlichen Thale gelegenen Dörfchen an.  Der darauf folgende Morgen war bei harten Frost und hohen Schnee äußerst heiter und sonnicht.  Die Seiten dieses Thals bildeten Gebirgsketten mit Holz begränzt, von uns auf einer sanft anlaufenden Anhöhe, die mit Feldwachten garniert war, führte die Landstraße nach dem von Feinden besetzten Porosow und uns im Rücken lag Labienice mit einem schönen großen Schloß oder Kloster, worinnen sich das Hauptquartier des Generalobersten Reynier befand.

 

Gefecht bei Labienice

In den Vormittagsstunden dieses so heiteren 12. Novembers, [106] meldeten unsere Vorposten, daß sie stark gedrängt würden und von Porosow her sich mehrere feindliche Kolonnen zeigten. Da die Sonne ihre Strahlen auf die uns vorliegende Anhöhe warf, so konnte man auf der über ihren Rücken führenden Straße das Blinken der Gewehrläufe von Infanterie Maßen sehr deutlich wahrnehmen, die sich in das Thal hinunterwälzten.

Es war das ganze Sackensche Corps, was sich, um uns anzugreifen in Bewegung gesezt hatte. Unsere Feldwachten replierten sich auf das Corps, was indeß aus seinem Bivouaq ausgerückt war und sich rückwärts bei Labienice aufgestellt hatte. Das Gefecht begann und dauerte bis die eintretende Nacht ihm Schranken sezte. Der Feind, der uns zu umflügeln drohte und die mit Geschütz bedeckten Berge innehatte, wurde bei seinem Herandringen jedesmal kräftig zurückgewiesen und völlig im Zaum gehalten.

Wir behaupteten daher unsere Stellung, und die Nacht wurde mit den Waffen in der Hand in selbiger zugebracht. Der Beschluß dieses Tages für das Regiment bestand in 1. Todten und 2. gebliebenen Pferden, 2. Vermißten 7. Bleßirten und 20. Bleßirten und vermißten Pferden. 

Da das 7. Armée Corps inzwischen ungleich schwächer als das feindliche war, und vom Fürsten Schwarzenberg wegen der Entfernung keine schleunige Unterstützung erwartet werden konnte, so bewog dieses den General Reynier, seinem Plan entgegen sich auf Wollkowice zurückzuziehen, den Fürsten Schwarzenberg aber hiervon in Kenntniß zu sezen. 

 

Rückzug auf Wollkowice

Die Parcs brachen bereits nach Mitternacht dahin auf, die Infanteriedivisonen folgten in Distanze, und die Cavallerie als Nachhut machte früh in der 4. Stunde den Beschluß. Die vor Kälte hellfunkelnden Sterne leuchteten, der gefrohrene Schnee wich knarrend und sich streubend, den vorwärts schreitenden Füßen und der hungrige Magen accompagnirte knurrend zum Ganzen; - so erreichten wir gegen Mittag den Abhang herunter defilirend, Wollkowice, das in einem Thale liegend sich hinstreckt, hinten sich von sanften u. ansteigenden Anhöhen sich umgebend, und, was bei dem späteren Brande [?] und Erwärmen [?] der Häuser sich zeigte, ein nicht unbedeutendes Handelsstädtchen war. 

Das 7. Armee Corps, zu welchem seit kurzem noch die französische Infanterie Division Durotte (aus lauter ausgetretenen Conscribisten bestehend, die in Batallons formirt und nach ihren Provinzen benannt, sonst aber ohne No und andere militärische Ehrenzeichen waren) und einige Batallions Würzburger gestoßen waren, nahm seine Stellung gleich hinter dem Städtchen, während in selbigem das Hauptquartier, die Stäbe der Divisonen und Brigaden, sowie die Kranken und Bleßirten untergebracht wurden, und jenseits der Stadt mehrere Infanterie Abteilungen zur Deckung des zur Stadt führenden Defilées vorpostiert waren.  Kaum hatten wir diese Stellung bezogen, sozeigten sich auf den jenseitigen steilen Anhöhen einzelne Kosaken um unsere Stellung in Augenschein zu nehmen. 

Da die Nähe der Scheunen und Häuser Baumaterialien zu Baraquen darbot, so ward gar bald gegen die Witterung für Schutz gesorgt, das trockene Holz wirbelte knisternd in lodernder Flamme empor und bereitete das genügsame, wenn auch dürftige Mahl, und als wieder funkelnd die Sterne am Horizont erschienen und Mann und Pferd sich erquickt hatten, schlüpfte (wenn nicht Dienstbestimmung abhielt) ein jeder in das enge schaurige Hüttchen, um hier bei einer anscheinend gefahrlosen Stellung den Körper für einige überstandene schlaflose Nächte wieder schadlos zu halten. - Doch! - Der Mensch denkt, Gott lenkt!

 

Überfall auf Wollkowice
Kaum war Mitternacht hinüber und ein neuer Tag im Beginnen, so erschien der terrainkundige und wahrscheinlich durch von wohlerwünschten Kundschaftern geführte Feind, im Dunkel gehüllt am Städtchen. Sein Hurrah und Feuern in die Häuser weckte auch viele der im tiefsten Schlaf befindlichen Unsrigen und einiger Aufenthalt an der am Eingange des Orts mutvoll vertheidigten Brücke gab noch einigen Generalen und Obern einige Minuten Frist, aus dem Städtchen zu entkommen und sich an die Spitze der indeß gesammelten Truppen zu sezen. Der Feind drang die Überraschung benutzend durch die Stadt gegen unseren Bivouaq vor, der geräumt und Stellung auf den dahinter gelegenen Anhöhen genommen wurde.
Unsere auf dem rechten Flügel erhöht aufgestellte Batterie leistete in dem ersten Moment dieses Überfalls die wesentlichsten Dienste dadurch, daß sie die Ausgänge der Stadt beständig durch Granaten von mehreren Orten zündete, und dadurch über das Ganze eine Freund und Feind unterscheidende Helligkeit hervorbrachte.
Die jenseits der Stadt aufgestellt gewesenen Abtheilungen von uns waren inzwischen durch abgesonderte feindliche Truppen ebenfalls angegriffen und zurückgedrängt worden, und obschon der zweck, sie vom Corps ganz abzuschneiden nicht erreicht wurde, so war der Verlust der Fahne des 2. Batalions Prinz Friedrich August, die der in der Dunkelheit anprallende Feind dem bestimmten Fahnenjunker entrißen umso empfindlicher, da das Corps im Laufe dieses ganzen Feldzugs eine ähnliche Throphée zu erbeuten keine Gelegenheit hatte. - Der Fahnenjunker wurde infsirt [?] und aus den Listen gestrichen.

Das Gefecht dauerte bis Eintritt der Nacht und erneuerte sich mit Anbruch des 16. - Das Corps vertheidigte trotz der feindlichen Übermacht die Position hinter Wollkowice standhaft, und nur der äußersten Bravour der Truppen sowie der vortheilhaften erhöhten Stellung war die Behauptung derselben zuzuschreiben.
Die Cavallerie befand sich an beiden Tagen des Gefechts auf dem linken Flügel des Corps, der sich an das Flüßchen Prohsa lehnte, gegen welches die Anhöhen sanft abfielen, aufgestellt, um den Cavallerie Maßen die der Feind zum Vorschein brachte um uns in die Flanque zu nehmen, einigen Widerstand entgegen zu sezen. Ohngeachtet dem feindl. Corps außer mehreren tausend Kosaken und Baschkiren, 7000 Mann regulaire Cavallerie zu Gebote standen, so konnte er doch auch hier seinen Zweck nicht erreichen, - sie ward von unserer Handvoll Cavallerie dagegen, im Zaum gehalten, und mehrere Angriffe muthvoll zurückgewiesen.
Bei einem am 15. mißglückten Choc des Regiments, an deßen Spize sich der ebenso alte und ehrwürdige als brave Obrist v Engel befand, geschah es, daß selbiger als das Regiment rechts umkehren und retiriren muß[t]e, vom Feind umringt, und mit 11 Wunden wovon mehrere den Kopf trafen, vom Pferd heruntergestochen wurde, doch kaum gewahrte das Regiment den Verlust seines Commandeurs, als es umkehrte, in den Feind eindrang und ihn wieder befreyete! - Es war dies sein leztes Treffen dem er beywohnte, ein unterm Mantel anhabender dicker rußischer Pelz, durch welchen mehrere Piquenstiche nicht durchgedrungen waren, war vielleicht die Schutzwehr seines Lebens. Er kam in die Hospitäler von Grodno und Warschau, und wurde später zwar wieder hergestellt, doch hinsichtlich seines Alters mit Pension entlaßen, und mit GeneralMajorschargen [?] in den Ruhestand versezt.
Die eintretende Nacht und die Erschöpfung der Kräfte gebot den Waffen zwar Ruhe, allein sie konnte ihren Tapferen bei der strengen Kälte und Mangel an Lebensmitteln keine Erholung darreichen.

Wie war in diesem Feldzuge beim Corps der Kraftaufwand größer und die Entbehrung fühlbarer gewesen als in dieser so ahndungsvollen Nacht. - Von früh 3 Uhr wo der feindliche Ueberfall begann, bis späten Abend, bei einer grimmigen Kälte und dabei noch auf einer dem Windzuge von allen Seiten preisgegebenen Anhöhe postirt, hatten die Mannschaften im Gefecht ohne Nahrungsmittel zugebracht und nur die allzu große Erschöpfung konnte die Natur und das strenge Element besiegen und sie statt sehr [?] in eine Art Starrlosigkeit sezen. Ohngeachtet während dieser Nacht die auf die höchsten Puncte postirten Infanteriekadetten alle halbe Stunde abgeloeßt wurden, so hatte doch das Hin und Wiederlaufen in dem ungebahnten Schnee bei einigen die letzten Kräfte erschöpft, und erstarrt und entseelt wurden sie von der Abloesung aufgefunden.
Der Donner der Geschüze rufte am 10. früh zum neuen Kampfe, der mit gleicher Erbitterung wie Tages vorher begonnen und fortgeführt wurde, und wer weiß ob nicht am Ende die Tapferkeit der gänzlichen Erschöpfung und feindlichen Übermacht hätte unterliegen müßen, wenn nicht Nachmittags spät der Fürst Schwarzenberg mit der ersehnten Hilfe einer Colonne Oesterreicher von Zelbice her, dem bedrängten Corps zur Unterstützung kam. Seine Ankunft, die sich schon aus der Ferne durch Angriff mit Kanonendonner auf den feindlichen Flügel und kund that, nahm das feindliche Corps nunmehr zwischen zwey Feuer, der letzte Rest von Kraft erhob sich wieder, die beiderseitigen Batterien schienen durch ein auf die Stadt gerichtetes sich kreuzendes Feuer in der lezten Crisis zu liegen, die von den Bergen herunterstürzende Infanterie nahm die Stadt mit Sturm, der Feind floh allenthalben, und - der vollständige Sieg, den Muth und Ausdauer davongetragen unterlag nunmehr keinem Zweifel mehr. Die Oesterreicher vollendeten durch Nachsezen die Niederlage des Feindes und rundeten durch reiche Beute die Früchte des Tages, während das 7. ArmeeCorps der so bedürfenden Ruhe zu pflegen sich bei Wollkowize lagerte und auf den Trümmern der Stadt sowohl als aus ihrer Nähe sich einige Erquickung zu verschaffen suchte.

Das Corps hatte in diesen Tagen verhältnismäßig mehr Bleßirte als Gebliebene, was sich von der erhoehten Stellung des Corps herschrieb, indem der Fein viel zu tief schuß. Die Menge der Bleßiten welche in die Füße verwundet waren, liefertte den augenscheinlichsten Beweis hiervon. Das Regiment verlohr durch die feindliche Batterie eine betraechtliche Anzahl Pferde. Ein einziger Schuß streckte deren vier auf einmal darnieder. Der gesamte
Verlust des Regiments bestand in diesen Tagen in 1 Mann 11 Pferde Geblieben , 8 Mann 23 Pf. vermißt und 19 Mann 6 Pferde Bleßirten.
So wie das gesammte Corps sich in diesem Gefechte mit Ruhm bedeckte, so verdient die zu demselben gestoßene franz. Division Durotte nicht minder einer ehrenvollen Erwähnung hierbei. Sie focht nicht bloß für Leben und Freiheit, als vielmehr für Ruhm und Ehre, weil nur eine dergleichen wiederholte Auszeichnung sie in die Kategorie der französischen LinienRegimenter stellen, und ihnen Adler und Ehrenzeichen zutheil werden lassen konnte.

Feindliche Retraite nach Brczesc

Das Regiment brach den 17. Novbr. früh 5 Uhr von Wolkowize auf, und nahm an der Verfolgung des in der größten Bestürzung fliehenden Feindes Antheil. Es hielt nicht schwer ihn aufzufinden, denn alle über Swislocz, Weti, Krinky und Rudna führenden Wege waren mit feindlicher Infanterie, die vor Ermattung liegen geblieben, gleichsam bedeckt, ohne große Gegenwehr konnte man ganze Trupps von ihnen zusammenbringen, die mit der größten Resignation ihrem Schicksal folgten. –

 

Hätte das österreichische Corps, das dem Feinde immer zur Seite war, einen kleinen Vorsprung zu gewinnen gesucht um den Engpass bei Rudna, den der Feind auf seiner Retraite nach Brczesc paßiren mußte, vor ihm zu erreichen, so würden ganze Abtheilungen des Sackschen Corps zu capituliren genötigt gewesen seyn, und es würde sein ungestümes Vordringen mit dem Verluste seines sämtlichen Geschüzes haben büßen müssen, von welchen er außerdem schon mehrere Lafetten stehen ließ, deren Rohre in die Sümpfe waren versenkt worden. Ob Saumseligkeit oder Plan dem Feinde diesen Paß zu entkommen offen ließ, mögen in die damalige Politik höher Eingeweihte entscheiden – des Laye, der alles nach dem Augenschein und der gesunden Vernunft urtheilte, schüttelte bedachtsam den Kopf hierüber und verwunderte sich. -

 

Swisloz

Bei diesem Nachsezen erreichten wir am 18. Swisloz, ein dem Grafen Tiszkewicz zugehöriges Städtchen, welches modern und symetrisch gebaut war und beim Eintritt den oberflächlichen Eindruck hervorbrachte, daß man nach Deutschland versezt sey. Der Besizer bewohnte hier ein schönes Schloß und einen wohl unterhaltenen Thiergarten. Die Stadt selbst war nett mit mehreren gut etablirten Geschäften, die große Aushängeschilder hatten, eine gut eingerichtete Apotheke, reinliche, breite Straßen, und bei den Einwohnern selbst herrschte ein Ton und eine Lebensart, die gegen die übrigen polnischen Städte gleichen Ranges sehr auffallend war. Einige angesiedelte Deutsche so wie ihr humaner Besizer selbst, der Kunstfleiß und Wohlstand nährte, hatten jedes ihren bedeutenden Antheil hieran.

Den 20. November passirten wir Rudna, welches bloß der Lage nach noch kenntlich war, der General Sacken hatte solches hinter sich in Flammen aufgehen lassen, um das Nachdringen zu verhindern und nur einen unbedeutenden Vorsprung zu gewinnen.

Die nachtheiligen Ermüdungen von Feind und Clima auch die allmähliche Aufloesung des Corps beurkundeten sich dadurch, dass die beiden Schüzen Regimenter an diesem Tag (20.) ihrer Schwäche halber in Ein leichtes Infanterie Regiment formirt und die Grenadier Bataillons von nun an mit zum Vorpostendienst gezogen wurden. Diese Reduction gab den übrigen Partheyen lebhaften Stoff zu einem memento mori, welches traurige Ahndung bei mehreren bald früher bald später in die Wirklichkeit überging. -

 

Feindlicher Überfall bei Reszyce

Den 23. November übernachtete die Avant Garde in Reszyce, bei dem vom Dorf etwas abgebaueten herrschaftlichen Schloße, welches mit einem weitläufigen regelmäßigen Hofraum und einem hinten sumpfigen zum Theil zugefrohrenen Graben umgeben war, über welchen Brücken zu den Ein- und Ausgängen führten, so dass selbiges einem kleinen festen Castell glich. Die Schüzen bezogen das geräumige mit etlichen Stockwerken versehene Schloß selbst, die reutende Batterie wurde auf den Schlossplatz postiert, die Cavallerie hingegen bezog Bivouaq daneben und fand Fourage, Brennmaterialien und mitunter Unterkommen selbst in dem nahe dabei befindlichen geräumigen Oekonomie-Gebäude. –

 

Vor einem auf der Flucht befindlichen Feinde gesichert zu sein glaubend, war ein feindlicher Ueberfall auf uns, der um Mitternacht erfolgte um so unerwarteter, er war indessen nur ein leichter Anprall und ganz ohne Folgen und Verlust für uns, denn der Feind zog sich unsere feste Stellung wahrnehmend, nach etlichen erhaltenen KartetschenLadungen in größter Eile wieder zurück, und hinterließ einen am Wege liegenden Todten und blutige Spuren im Schnee von mehreren mit fortgenommenen Bleßirten. Aa bei dem Allarm die Schüzen welche in den Gemächern des Schlosses Stroh zum Lagern und Kaminfeuer zur Erleuchtung und Wärme gebraucht hatten, selbige in möglichster Eile verließen und sich aufstellten, so geschah es, dass durch Verwahrlosung hierbei das Stroh zündete und während des Allarms das Schloß in Feuer aufging, welches aus Mangel an Löschmitteln bis auf die Mauern niederbrannte.

Gleichmerkwürdig war die Nacht vom 23. zum 24. Novbr. hinsichtlich einer ebenfalls sich ereignenden Feuersbrunst bei der hinter uns bivouaquirenden Division von Furneck, und dem großen Brande, der zu gleicher Zeit in dem noch mehr rückwärts gelegenen Hauptquartier des Generals Reynier sich ereignete. –

Feuer am Horizont bezeichnete die Stand- und Ruhepuncte des Corps in dieser Nacht auch in der Ferne.

Großer Brand im Hauptquartier

Der große Brand im Hauptquartier war der unglücklichste und kostspieligste von diesen dreyen für das Corps, denn er kostete mehrere Menschen und an 50 Dienst und Reutpferde, worunter der ganze Marstall des Grafen Reynier befindlich war, das Leben. Diese Pferde mit ihren Wärtern waren in einem großen 4-eckichten Wirtschaftsgebäude, oder vielmehr Scheune untergebracht, welches von unten bis oben mit Garben und Stroh angefüllt war, und nur freye Gänge darin offen ließ. Das zusammen hängende Ganze hatte nur wenige Zugänge, die theils nach außen, theils in den inneren gesperrten Hofraum führten. Höchstwahrscheinlich durch ein beim Schlaf der Wächter in das Stroh gefallenes Licht, hatte sich das Feuer und der Qualm augenblicklich übers Ganze verbreitet, und die Mannschaften, mit dem Loshalftern und Abschneiden der Pferde beschäftiget, wurden durch ihr xxx? Hin- und Herspringen mit umgerissen und an eigener Rettung verhindert. Zwar hatten sich einige in den inneren mit Mist und Stroh angefüllten Hofraum geflüchtet, jedoch da auch dieser am Ende von der gluth angezündet wurde, so war auch hier Rettung unmöglich und nur wenige in einen Mistpfuhl sich retirirte Unglückliche entkamen dem Todte in den Flammen, doch endeten sie einige Tage darauf umso schmerzhafter an den Verlezungen dieses Brandes.

Die im Hauptquartier commandirt stehende 6. Escadron verlor hierbei 4 Husaren und 4 Dienstpferde, wovon 1 Mann und die 4 Pferde in den Flammen umkamen, 3 Mann aber am 25. ejsdem in Folge desselben ihren Geist aufgaben. – Man sagt, ein, von den Oesterreichern bei der feindlichen Retraite erbeutetes, und von Fürst Schwarzenberg dem General Reynier als Geschenk überlassenes Kameel, habe eine sehr bedeutende nachtheilige Rolle bei diesem unglücklichen Ereignisse gespielt, indem es, ohnfern des Ausgangs angebunden, die losgemachten und von den Leuten dem Ausgang zu getriebenen Pferde, durch seine ungewohnte Gestalt an der Flucht geschreckt und zum Zurücklaufen derselben in die Flammen und Umreißen der in den Gängen befindlich gewesenen Menschen, wesentlich beigetragen haben soll.

Der 24. November kostete uns bei einer gegen Turina unternommenen Recognozcierung einen Verlust von 5 Mann 6 Pferden Gefangene incl. 5 Bleßirten, und hatte zur Folge, dass die AvantGarde bei hohem Schnee und strenger Kälte, von Proviant, Fourage und allem möglichen entblößt, bei Nacht im freyen Feld aux Bivouaq zubringen musste. Die Entlegenheit von Ortschaften und der Mangel an dürrem Holz gestattete nicht einmal dir Unterhaltung eines spärlichen Feuers, froh eines begonnenen Tagesbestiegen wir daher am 25. unsere bereiften Roße wieder und trafen den 26. eiusdem in und um Breczesc ein; das lezte Mal, dass wir diesen Ort betreten und mit unserer Gegenart heimsuchen sollten. – Der Feind hatte es mit Zurücklassung eines Hospitals von 700 Mann geräumt und sich nach Wolhynien zurückgezogen. Der OberstLieutenant von Lindenau nahm ihm noch mit einer Abtheilung des HusarenRegiments hinter Breczesc um 500 Gefangene und etliche 30 beladene Wagen ab.

Der General Sacken, von dem österreichischen Vortrab und dem General Fröhlich noch mehrere Meilen über Breczesc verfolgt, konnte erst in der Gegend von Luboml die Trümmern seines Corps einversammeln, das auf 27,000 Mann zusammengeschmolzen war. Drei Tausend allein hatten bei Bulkow von den Österreichern abgeschnitten die Waffen senken müssen, ohne was ihn eine aufgelöste 10-tägige Retraite gekostet hatte. Ein großer Theil seines Geschüzes, der größte seiner Equipage war vernichtet, und hätte er in der Nähe seines Depots sich nicht so leicht wieder restauriren können, so würde sein Corps gewiß auf längere Zeit in Unthätigkeit gesezt worden sein. - Allein brachte er auch hierdurch große - sehr bedeutende Opfer, so war doch der Plan des Admiral Tschitschagow, den Fürsten Schwarzenberg von Minsk entfernt zu halten, um die retirirenden Corps der großen Armée bei ihrem Uibergang über die Beresina nicht unterstüzen zu können, erreicht, und er zu weit von seinem Ziel entfernt worden, um dieses noch später mit Erfolg bewerksteln zu können, denn ob er sich geich den 28. Novbr. über Slonim gegen Minsk wieder in Marsch sezte, so kam er doch nunmehr zu späte, denn als seine AvantGarde am 10. December Bieliza und Nowogrodeck erreichte, hatte die Reste der großen Armée bereits Willna paßirt.

Dies war die letzte der gemeinschaftlichen Operationen, die das 7. ArméeCorps mit den oesterreichischen Hülfstruppen ausführte. Später bezogen selbige zu Deckung des Herzogthums Warschau eine Position bei Puttusk und von da gingen sie nach geschloßenem SeparatWaffenstillstand an die Grenze von Ostgalizien zurück, wo wir sie im Monat  Februar des darauffolgenden Jahres in der Gegend von Cracau in Kantonierungen antrafen.

Letzter Aufenthalt des Corps in und bei

Das 7. ArméeCorps verweilte bis mit (?) 30. Novb. in und bei Brczesc in Kantonnements, sowohl um auszuruhn, als auch so viel wie möglich durch Requisitionen sich zu ergänzen, da Brczesc mit seinem reichen Handel oder Judenschaft die beste Gelegenheit hierzu darbot, und nach der damaligen Lage der Umstände mit Sicherheit vorauszusehen war, daß unsere jezige Gegenwart die lezte in diesem Feldzuge seyn würde. Capots und Schuhwerk waren hauptsächlich die immer fühlbarer werdenden Bedürfniße, in dem die Witterung von Tag zu Tag strenger, die Frostschäden beim Corps aber immer häufiger wurden. Um die gesonderten Bedürfniße in den wenigen Tagen unseres Aufenthalts desto beschleunigter betreiben, wurden einige der reichsten jüdischen Einwohner unter Aufsicht gestellt, und darauf durch Ausschreiben der Behörden, sowohl von Brczesc als auch der Umgegend eine Quantität Tuch als auch neues und altes Schuhwerk von aller Form und Sorte beigeschafft, das, wenn auch für den völligen Bedarf nicht ausreichend, doch dem einstweiligen größten Mangel auf einige Zeit abhalf.

Hiervon sowohl, als auch von dem später auf Requisition noch jenseits des Bugs herbeigetriebenen Stiefeln, erhielten unentgeltlich das Regiment v. Polenz chevleg 50 pr -Husaren 30 pr - daß der Uhlanen 13 pr und 33 pr Halbstiefeln der Artillerie Train, ferner hatte man durch den Hauptmann v. Wutgenew in Byalyostock eine Anzahl Bedürfniße ankaufen laßen, von welchen 40 pr Stiefeln das Husaren Regiment, 40 pr das Regiment v. Polenz, 20 paar das Uhlanen Rgmt und 22 pr das Train Bataillon zu dem Preiß von 1 [Währung] 20 [Währung] erhielten, auch bekam das Regiment als Antheil von den Geschenke einiger wohlgesinnter Damen 5 pr wollen Strümpfe welche nach dem Willen der edlen Geberinnen, den Bedürftigsten unter den Bedürftigen zu Theil wurden. 

Aufbruch von Brczesc und Postirung ohnfern der Senezna

Das Corps brach den 1. Decbr. 1812 aus seinen Cantonierungen bei Brczesc auf und folgte in einer 2ten Colonne dem sich wieder nach Slonim dirigirten oesterreichischen Hülfscorps. Die Kälte stieg zunehmend, und erreichte am 7. Decbr., als wir als ungefüge ArriereGarde hinter dem Städtchen Sellez einen 4 Stunden langen Wald auf einer in gerader Linie durchschnit­tenen breiten Chauhsée paßirten 24 Grad unter Reaumür. Die Erde war vor Frost in langen Querstreifen tief gefroren, so dass beim Reuten die größte Vorsicht nötig wurde, der entgegenstoßende Luftzug presste Thränen in die Augenwimpern die sogleich zusammenfrohren [118] und durch Reiben mit der Hand nur erst wieder aufgethaut werden konnten, und mehreres requirirtes und an die Wagen gebundenes Schlachtvieh erstarrte, und musste, nachdem es eine Strecke lang noch mitgeschleppt worden, abgebunden und liegengelassen werden.

Besonders nachtheilig wirkte die zu harte Kälte auf die Cavallerie, die entweder unbeweglich auf den Pferden bald erstarrte, oder wenn sie abstieg, und dem schaft ausschreitenden Pferde im Trotte folgten, sich echauffirten und dann beim Wiederaufsizen durch den zu jählingen Uibergang von der Wärme zur Kälte, die nachtheiligsten Folgen für die Gesundheit zu befürchten hatte.

Wir erlebten hiervon Beispiele im Regimente, wo Mannschaften auf nächtl. Vedette die Füße erfrohren, amputiert worden und starben, andere hingegen von dem zu raschen Wechsel der Wärme und Kälte vom Schlage betroffen wurden und augenblicklich den Todt fanden.

Den 11. December trafen wir in der Richtung nach Slonim ein, allein da – wie früher bereits erwähnt – der Marsch der Oesterreicher nach Minsk nunmehr zu spät und ohne Nuzen war, und wir vielmehr einem überlegenen Feinde gerade in die Hände gelaufen sein würden, so bewegten wir uns nach einem gehaltenen Rasttage über Christianpol, Pruzanna und Czereszew wieder gegen Brczesc zurück, und bezogen ohnfern der Lenezna in und bei Tercbun Postirungsquartiere. Das Hauptquartier befand sich zu Wollczyn am Bug, das Cavalleriebrigadequartier in Siczyki. –

Die Lage des Corps wurde, da der Rest der großen Armée bereits Willna paßirt hatte, und sich beinahe mit uns in gleicher Höhe befand, nunmehr umso gefährlicher, da bei dem weiteren Vordringen der feindlichen Arméen, wie von der Tschittschagowschen, Wittgensteinschen und dem sich wieder erhohlten Sackenschen Corps von allen Seiten gedrängt und angegriffen zu werden befürchten mussten. Blos der im Rücken uns gelegene Bug war noch der einzige Stüzpunkt, der uns zum Rückzuge nach Warschau offen blieb. –

Um jeden Angriff auf einen Punct dem Corps sogleich mittheilen und es im Notfall in größter Geschwindigkeit zusammenziehn zu können, mussten auf dem höchsten Puncte jeden Cantonnementsorts drey nebeneinander errichtete, und mit Stroh umwundene Lärmstangen aufgerichtet werden, die von Ort zu Ort bis ins Hauptquartier durch Tag und Nacht dabei aufgestellte Wachten beobachtet wurden. Wurde je ein Dorf vom anderen durch eine dazwischen befindliche Anhöhe unterbrochen, so musste ein auf der TelegraphenLinie hier ein RelaisPosten  mit der gleichen Lärmstange unterhalten werden. Ihre Bestimmung war folgende: Ward ein Posten angegriffen und das Zusammenziehen des Regiments nothwendig, so sollte das Anzünden einer solchen  Lärmstange das Regiment oder die Parthei, in deren Cantonnement dieses Signal gesehen wurde, auf seinen bestimmten Sammelplatz rufen, 2 dergleichen brennende Stangen die Division und alle Drey zugleich das Corps auf den angegebenen Puncten versammeln. Diese zur Vorsicht zwar nöthige, jedoch nie in Ausübung gebrachte Einrichtung, war gleich beschwerlich für den Bauer als den Soldaten, denn musste ersterer die Stangen errichten, Wachthütten dabei bauen, Holz herbeischaffen und Tag und Nacht das Wachtfeuer unterhalten, so musste lezterer seine Aufmerksamkeit immer auf einen Punkt habend, Tag und Nacht, auf eine [!] der größten Kälte und Zugluft unterworfenen Anhöhe zubringen.

Dritter Rückzug über den Bug und gänzliche Räumung der russisch pohlnischen Provinzen

Da die russisch pohlnischen Provinzen von den alliirten Armée Corps geräumt waren, und der Feind sich immer mehr näherte, so bequemte sich endlich auch das 7. Armée Corps selbige zu verlassen und nachdem am 22. December noch ein Ersaz von 33 Mann und 60 Pferden beim Regiment eingetroffen war, brachen wir am 24. December als am Weihnachtsheiligen Abend von der Lenezna wieder auf, gingen über Wollezyn den Bug hinunter paßirten gleich hinter Mielniek diesen hart zugefrohrenen Fluß und trafen ohnfern dem Städtchen Sarnasky wieder ins Herzogtum Warschau ein.

Die Scene änderte sich nun auf einmal gänzlich, statt der früheren Offensive gingen wir nunmehr in die ausgedehnteste Defensive über, und statt des früheren Vortrabs, erhielten wir nun die äußerste Arriere Garde. – Diese Nachhut zerfiel wieder in 2 Flügel, wovon bei Betretung des Herzogtums Warschau der Obristlieutnat v. Lindenau als interrimistischer Commendant des HusarenRegiments, das Commando des rechten, der Oberst v. Hann aber das des linken Flügels der ArriereGarde erhielt, zu welchem Behuf am 26. December in Sarnacky noch folgende Abtheilungen zu uns stießen,

außer dem Husarenregiment auf dem rechten Flügel noch

1 Detachement v. Polenz, 60 Pf

1 Detachement Uhlanen

½ reutende Batterie aus 1 Haubize und zwei vierpfündern bestehend

1 Grenad[ier] Compagnie von Bat. Anger

1 Grenad[ier] Compagnie von Bat. Liebenau

1 Division Schüzen unter Francois und Klinkguth

 Die Communication des äußersten rechten Flügels war mit Therespol, - Brczesc gegenüber, - welches von den Pohlen besezt war,

Das Sackensche Corps hatte sich indes wieder etwas ermannt, und war, nachdem wir die Verbindung mit den Oesterreichern aufgegeben, noch mehr als zu stark, um das da wieder gewißschon um die Hälfte geschmolzene 7. ArméeCorps wieder in Respect zu halten.

Es hatte Brczesc besezt, und seine Kosaken folgten unserem Rückzuge auf dem Fuße, kaum hatten wir festen Fuß im Herzogthum Warschau gefasst, so waren sie auch wieder wie gewöhnlich unsere treuen unzertrennlichen Begleiter.

 

Rückblick auf das abgelaufene Jahr 1812, und Aussichten in das angetretene von 1813

Der lezte Tag des Jahres 1812 fand uns in Postirung in und bei Boity ohnfern Sedlice (Sedlitz). Er schwand mit traurigen Rückerinnerungen an die Vergangenheit und bangen Ahndungen für die Zukunft.
Viel! – sehr viele die den ersten Tag von ihm heiter und gesund begrüßt hatten, waren nicht mehr, - ein anderer Theil lag unter Krankheit und Schmerzen, gehalten von Gedanken, Freunde und Vaterland nicht wieder zu sehen, an Genesung und Rettung zweifelnd in Hospitälern, während der schwache Ueberrest, auf seiner ungewissen Laufbahn, abgestumpft dahinschwankte, weil, den eingebrochenen vereinten Unfällen nicht entgehen zu können glaubend, sich am Ende Leichtsinn mit gänzlichere Resignation nur allzuerst paarte.
Der noch abergläubige Theil unterm Landvolk der NiederLausitz sowohl, als der unterem Militaire selbst, profezeyte bei unserm Abmarsche dem anfangenden Feldzuge ein tragisches Ende, weil sagten sie, unser Abmarsch in die Marter-Woche, und der Aufbruch selbst, auf den bei dem Landmann so wichtigen, aber auch ominösen Karfreitag fiel. Die späteren Unfälle erfüllten diese Schwachen unter uns mit Jubel weil solche als unausbleibliche Folgen ihres Vorhersagegeistes hielten, und so krönte der blinde Zufall hier ein Werk des Aberglaubens, der gleich doppelt nachtheilig auf Geist und Körper wirkte.

Der Vormittag des 1. Januar 1813 begann mit einem Allarm der aber sogleich wieder beseitigt wurde, weil unsere Vedetten einen auf einer Anhöhe erscheinenden Schwarm Kosaken für die Avant Garde einer starken ... oder eines von ... Trupps gehalten, der aber bei näherer Betrachtung nichts weiter war als eine Patrouille von 60 Pferden, die sich von unserer Stellung überzeugt, darauf im Städtchen Koczyic geplündert und endlich nach [122] Sarnasky sich wieder zurückgezogen hatten.

Die [un]unterbrochene Folge des Dienstes von Feldwachten, Patrouillen und Recognoscirungen, sowie die stete Bereitschaft in sich selbst, konnten bei den, durch Fatiguen so schon mitgenommenen Truppen, und in dieser rauen Jahreszeit nichts anderes als die endlich völlige Auflösung beider Theile herbeiführen, obschon dieselben immer nur blos kleine untergeordnete Bestandtheile des Ganzen waren, die, wenn sie sich auch gegenseitig völlig aufrieben, demohngeachtet kein HauptResultat fürs Ganze herbeizuführen vermochten.

Dieser von General Reyniers aufgestellte und von General Sacken beherzigte Grundsatz brachte durch eine von den Parlamentariern abgesendeten Adjutant v. Zaika vom Husaren Regiment (einen gebohrenen Pohlen)  ausgehandelte Uibereinkunft, eine sich gegenseitig garantierende Convention zustande, nach welcher ohne Stillestand der Vorsteher eintreten zu laßen, das künftige beiderseitige Vor- und Rückwärtsgehen, als abhängige Bewegung vom Ganzen angenommen, übrigens aber förmliche Angriffe und Überfälle eingestellt, und mögliche Vereinfachung des Dienstes und Schonung der Truppen herbeigeführt werden sollten. 

Obschon nur ein kurzer Gebrauch dieses schonungsvollen Verfahrens zulässig war, so ward innen doch diese Züge von ädlen Gefühlen und wahrer Menschenliebe beiderseitiger Heerführer um so mehr ein unauslöschliches Denkmal in den Herzen aller Braven, da der eine Feldherr ein Franzose, durch das bloße Obercommando an seine Truppe gekettet wurde, die mit seiner Nation an Character, Sitten und Sprache so verschieden, und mit deßen NationalInteresse so wenig verwandt war, der andere hingegen ein rußischer Heerführer, bei den [!] eingetretenen Kriegsglück für seine Waffen, eine Mäßigung zeigte, die in der kalten Politik so wenig, und beim Feinde noch seltener angetroffen wird.

Uiberfall bei Morsy

Die rückgängige Bewegung des Ganzen hatte auf unserem Rückzug über Morsy über Sedlice, und den der in Therespot gestandenen Pohlen über Byalec eben dahin zur Folge. Letztere bestanden in ohngefär 300 Mann Cavallerie, 400 Mann Infanterie und zwei dreipfünfigen Canons unter Commando eines pohlnischen Majors. Letzterer hätte das zeither beobachtete gemäßigte Betragen in den gegenseitigen Operationen beinahe wieder aufgeloeßt, indem derselbe bei einer ihm als Terrainkundigen übertragenen Recognoscirung von 330 Mann Infanterie und Cavallerie sächs. und preuß. Truppen am 3. Januar früh 4 Uhr, den nach Morsy uns nachgerückten Feind, der außer einer ½ Stunde vorgeschobenen Doppelvedette, keine weiteren Außenposten hatte, in der größten Ruhe überfiel, und sowohl einige Gefangene machte, als auch etliche Pf[erde] und Schlitten mit Equipage als Beute einbrachte, die aber, da derselbe ganz gegen seine Instruktion und der getroffenen Convention [zuwider] gehandelt hatte, sogleich wieder zurückgesendet, und durch den früher gedachten Parlamentair das bisherige Vernehmen wieder hergestellt wurde. Dieser Uiberfall kostete dem Regimente 1 Mann und 1 Pferd so auf dem Plaze blieben und 1 Verwundeten.

 

Sedlice

Wir verließen  noch an diesem Tag Sedlice und ließen die Pohlen zur Besazung darinnen zurück. – Sedlice ist eine Stadt von zweytem Range mit zum Theil modern gebauten Häusern, breiten Straßen, ansehnlichen öffentlichen Pläzen, und im Geschmack beihnah wie Swislocz aufgeführt.  Auch hier liegt wie überall in Pohlen der Handel in den Händen einer weitläufigen Judenschaft, wovon nur der schwächere Theil durch Wohlstand sich öffentlich auszeichnet,/[124] dahingegen der übrige beinahe nur in Lumpen und in den größten Schmuz gehüllte Theil, den günstigen Eindruck, den das Aeußere einer hübschen Stadt bei den Fremden hervorbringt, äußerst wieder herabstimmt, da er nur durch Blendwerk verhüllt das größte Elend zu sehen glaubt.

Wir dirigirten uns vom 5ten bis 10ten über Chodow und Makowody nach Wengrow wo wir Nachts 11 Uhr anlangten, allein kaum einquartiert und abgezaumt wurden wir durch Allarm wieder auf den Sammelplatz gerufen, da der mit Gewalt nachdringende Feind, in der Nähe eine Dragonen Feldwacht weggenommen hatte. Die wenigen ‚Stunden der Nacht bis zum Wiederaufbruch, der ebenfalls auf Allarm erfolgte, vergingen in größter Unruhe, da unser saumseliger Rückzug von höchstens 2 bis 3 Stunden täglich, dem Feinde viel zu langsam vonstatten ging, und er uns von allen Seiten gewaltsam drängte.

Der Morgen des 11ten Januar überzeugte uns, dass er uns links Wengrow zum Theil schon ganz umgangen und nichts weniger im Sinn hatte, als uns auf der Warschauer Straße nach Liw zuvorzukommen.

Unser Aufbruch geschah daher möglichst beschleunigt, um vor ihm noch diesen Flecken zu erreichen. Hier kam es mit unserer Arriere Garde und dem Feinde zum Handgemenge, wodurch unsere mit vielen Kranken beladene Equipage wenigstens einigen Vorsprung erlangte.  Das Terrain war für uns äußerst ungünstig, da der hiesige niedrige Boden unter Wasser und Eis gesezt war, auf welchem die unbeschlagenen Kosakenpferde geschwinder und sicherer als die unsrigen darüber hingleiten konnten. Das Regiment, das hierbei 6 Mann 3 Pferde in Gefangenschaft einbüßte und 3 Bleßirte hatte, zog sich an diesem Abend noch bis Kniffnieky, und am 13. Januar in die Postirung auf Dobre und Umgebung zurück, worinnen sich die Nachhut des Corps ohnerachtet des öfteren Drängens unserer Feldwachten bis mit 25ten vorgedachten Monats behauptete.

Dobre ist ein ganz unbedeutendes, von sehr weitläufigen Waldungen umgebenes Dorf,  an der Straße von Bialystock  nach  Warschau gelegen. – Die Pferde standen gesattelt in den Scheunen, während die Mannschaften der nur noch äußerst schwachen Escadrons je Haus für Haus einer, einquartiert und eng zusammengeschichtet waren. Da die Nächte hauptsächlich in größter Bereitschaft zugebracht werden mussten, so war diese enge Concentrierung umso zweckmäßiger, da Spiel, Gespräch und Gesang, den Schlaf und die Dauer dieser Langweiligen Winternächte verscheuchte.

Das Hauptaugenmerk des normale als rechter Flügel operirten sächsischen und östereichischen Corps war vor der Hand die Deckung Warschaus, bis die Depots, Hospitäler, Bancs [?], Caßen [Kassen] und alle nur sonst dem Corps gehörigen Gegenstände von dort entfernt worden waren.

Die sächs. Infanterie Divisionen befanden sich zu dem Ende bei Stanislawow, Denbewielki pp. bis zur Weichsel und theilweise samt ArriereGarde unter den General-Major v Gablenz, wie oben bemerkt, (aus dem HusarenRegimente, 3 Kompagnien des 2ten leichten InfanterieRegiments und ½ reutende Batterie bestehend) in Dobre aufgestellt. Die französische Division Durotte, zwischen Stanislawow und Okuniew postirt, hielt zugleich Praga mit besezt, und die an das 7. Armée Corps sich angeschlossene Colonne Pohlen unter dem Maj[or] Rzodkiewitz lagerte bei Kaluszyn.

Das Hauptquartier des Fürsten Schwarzenberg war bis Ende Januar in Puttusk, und die oesterreichischen Divisionen befanden zu Deckung des Herzogthums Warschau in Zambrow, Brock,[126] Nowogrod und Makow aufgestellt.

Vom 24. Januar 1813 1n, suchte der in Liw und Wengrow verstärkte Feind mehreremal, unsere Vorposten durch Uibermacht zurück zu zwingen, und auf der großen Heerstraße sich Warschau zu nähern. Es erfolgte unsererseits zwar jedes Mal ein allgemeines Ausrücken in die Position, jedoch blieb es bei bloßen Demonstrationen, und hatte bei der sichern Kunde der jenseits sich täglich mehrenden Streitkräfte nur die verdoppelte Vorsicht zur Folge, dass wir, um nicht überrumpelt zu werden, bis zur völligen Räumung von Dobre, die den 26. Januar Nachmittags erfolgte, in der größten Bereitschaft zubrachten.

Die russischen Heere concentrirten sich gegen Warschau indeß immer mehr und mehr, un d da der Aufbruch der mit Eis belegten Weichsel bald zu erwarten stand, für uns aber sich keine Aussichtenzu einer dergestaltigen Verstärkung darboten, die uns in den Stand hätte sezen können, eine fernere tragende Stellung zu behaupten, so erfolgte vom 26ten bis mit 31. Januar über Stanislowow, Pustelnick und Okuniew der Rückzug gegen Warschau. Den 31. Januar passirte das Regiment links Warschau die gefrohrene Weichsel, bezog dicht an der Warschauer Vorstadt Schulitz, in den Dörfern Sielze, Czerniakow, Augustowka und Sierkerky Nachtquartiere, und legte den 1. Februar Warschau in den Rücken, indem es sich nach Blonie bewegte.

 

Rückzug von Warschau gegen Kalisch

Das 7. Armée Corps räumte den 2ten und 3ten Februar Warschau gänzlich, da nach eine Uibereinkunft die oesterreichischen Divisionen Bianchi und Siegenthal Warschau und Praga bis zum 6. Februar besezten, an welchem Tage der Fürst Schwarzenberg  [127]  beide Städte an den russischen General Miloradewiez übergeben ließ,  welcher den 8ten daselbst einrückte.

Das Sächs. Corps ging hierauf in mehreren Kolonnen über Porzezyn und Wartha nach Kalisch zurück. –

Die ArtillerieReserven und das Fuhrwesen schlugen dahin die Straße über Prawa ein, so wie der HauptArtillerieParc und die sächs. Depots sich weiter links über Petrieau, Widewa und Burzenin ebendahin dirigirten. – Die dem 7ten ArmeèeCorps unter dem Fürsten Poniatowsky unmittelbar folgenden Pohlen zogen über Patricau gegen Cracau und das oesterreichische HülfsCorps unter dem Fürsten Schwarzenberg über Tarcyn, Novemiato und Opozno hinter die Pilica nach Gallizien zurück.

Da Thorn als wie Warschau verließen [!], in unserer rechten Flanque bereits vom Feinde berennt war, und die rußischen Corps, nachdem sie die Weichsel überschritten, unaufhaltsam vordrängten, so verfolgte unsere Nachhut des Corps, die dessen rechte Flanque deckte, nunmehr auch ohne fernere lange Pausen seinen Rückzug in die Gegend von Kahlisch [!].

Es brach den 3ten Februar von Blonic wieder auf und ging nach Bolimow, den 4ten nach Lobiez, den 6ten nach Solkowize bei Biontek den 8ten nach Lenczyce, den 9ten nach Grczewsko, den  10 ten  nach Uniejow, den 11 ten  über Turek nach Slodkowo und den 12 ten  bis Wollnow von Kalisch.

Mehrere zwischen Thorn und Warschau vorgedrungene feindliche Truppen folgten unseren Bewegungen auf dem Fuße und fügten dem Regimente durch Wegname [!] von gegen sie ausgesendete [!] Patrouillen so manche Verluste zu; denn so büßte es am 6ten Febr. eine zu Schlitten gegen sie ausgesendete Patrouille von 1 Drag[oner?] [128] und 2 Husaren, und am 9ten ejsd. [eiusdem] zwischen Biontek und Leiczyce ebenfalls 3 Mann und 4 Pferde ein, einen weit bedeutenderen erlitt selbiges inzwischen am 11. Februar auf Vorposten bei Wola, wo die 35 umd 1 Escadron Husaren unter Commando des Rittmeisters v. Taubenheim von feindlicher Uibermacht angegriffen und geworfen 22 Mann und 17 Pferde als Gefangene einbüßte, und 4 Bleßirte zählte, so wie auch an eben diesem Tage die Feldwacht des Souslieutenant von Ende 6 berittene Mann verlor und 1 Bleßirten hatte.

 

Lowicz

Unter den seit Warschau zurückgelegten Städten, zeichnete sich Lowicz, wenn es auch nicht schon durch seinen bekannten großen Markt berühmt wäre, als Mittelstadt vorzüglich aus. –

 

Es enthält mehrere große Lager russischer, zum Theil rohe, zum Theil schon verarbeitete Raucherwaren, und der hiesige Markt mit moldauen und ukrainer Pferden, ist (dem zu Lanczno an der Grenze Lithauens ähnlich) in Pohlen und bekannter, als er im Auslande zu seyn pflegt.  Auch hier liegt der Groß- so wie auch der Detailhandel groeßtentheils in den Händen der Ebräer, doch trifft man auch mitunter mehrere hier sich angesiedelte Handwerker an, die einigen Anspruch auf den öffentl. Verkehr mit zu machen scheinen.

Besonders auffallend gegen die kleineren Städte und Flecken Pohlens war die hiesige zweckmäßige Einrichtung von Normalschulen, in welchen die Jugend,  außer der Muttersprache zugleich noch öffentlichen Unterricht in der französischen und deutschen Spache und in den übrigen Elementarkenntnissen ertheilt ward. Die deutsche Sprache ließ sich hier schon häufiger hören und erinnerte wohltätig [129] an die Annäherung der deutschen Grenzen.

Die häufigen Wechsel in der Oberherrschaft und die immer nicht nach Wunsch ausgefallene Organisation des Landes, hatten in hiesiger Gegend eine so auffallend gleichgültige und von allem Patriotismus entfernte Stimmung hervorgebracht, dass man den hiesigen Unterthanen mit vollem Rechte nicht das mindeste Gefühl für Politik und Vaterland zuschreiben konnte, denn sie sahen uns als Verbündete ebenso gleichgültig sich entfernen, als den Feind sich ihnen nahen, und da beide nur genießen und von ihnen haben wollten, so waar es diesen zum Theil noch rohen Naturmenschen freylich nicht zu verargen, wenn sie beyde nach einem Maaßstabe abschäzten, auch schien das auf Napoleon und die französischen Waffen früher so unbegrenzt gesezte Zutrauen mit dem in Rußlnbd begonnenen Missgeschicke, nunmehr gänzlich aufgegeben und vernichtet zu seyn.

 

Pohlnische neuerrichtete Bauer Cosaken

Den 12. Februar während wir in der Nähe des Dorfes Kollnow biwachten, stieß eine Abtheilung neuerrichteter pohlnischer Bauer Cosaken zu uns, wo wir Gelegenheit hatten, diese TruppenArt, von der man sich so viel versprach, die aber nichts vermochte und auch bei dem besten  Willen nichts hätte leisten können, näher ins Auge zu fassen. – Ihre Errichtung als Landwehr, und die Ausrüstung durch den Adel Pohlens, war erst ohnlängst von Napoleon anbefohlen worden, um dem Feinde vor dem ersten Umlauf gleichsam, nur etwas entgegenstellen zu können, doch – (da sie meist aus unbändiger Jugend bestanden) – mit dem gefürchteten bärtigen Ansehen  der so nahen Nomaden Russlands, fehlte ihnen auch die List, Gewandtheit, Künheit und Erfahrung, die den ächten Kosaken so eigen ist, und durch welche er sich bei dem disciplinirten deutschen Krieger oft so furchtbar gemacht, und in Respect gesezt hat. [130]

Diese neuen Codaken, mit einem graumelirten pohlnischen Rock, und einer dergleichen platten runden Feldmüze mit couleurtem Streif besezt, übrigens ganz nah vom Pfluge weggenommen, und mit einem oft stättischen Pferde beritten gemacht, und aus den alten Rüstkammern pohlnischer Edelleute mit einem Säbel bewafnet, der größtentheils mit einigen Pistolen versehen, die oft keine Batterie hatten, ja an denen zum Theil das ganze Schloß fehlte, mithin zur Vertheidigung blos auf seine Lanze beschränkt, die er nicht zu handhaben verstand, und ihr Angriff auf rohe stättische Pferde berechnet, die sie nicht regieren konnten, anstatt vorzugehen, krebsartig zurückkrochen, und sich nicht selten durch einen Quersprung ihrer Bürde entledigten, - dies waren jene Centauren, von denen man sich so viel versprach, die aber dem Don Quixote mehr ähnelten und oft mehr zum Lachen reizten als das wahre Exemplar zu seiner Zeit mag hervorgebracht haben.

Daß man sich in der gehegten Erwartung nicht betrogen hatte, und dass sie bei einem Angriff, in mahsa von den Pferden sprangen und in den nahegelegenen Waldungen ihr Heil suchten, dies bewies schon der darauf folgende Tag bei Kalisch.

 

Gefecht bei Kalisch

Den 13, Februar früh ½ 3 Uhr verließen wir unseren beschneyten Lagerplaz und trafen gegen Mittag auf der Biwacht bei Zolaskow (2 Stunden rückwärts Kalisch gelegen) als ArriereGarde ein, während das Corps in und bei Kalisch enge Quartiere bezogen hatte. Da der fest gefrohrene Boden das Einschlagen der Campingpfähle nicht erlaubte, so wurden die Pferde in einem nahe beim Guthe gelegenen großen SchaafStall untergezogen, der durch seine erwärmende Ausdünstung [131] auch uns zugleich Schuz für die Witterung mit gewährte. –

Durch mehrtägige Beunruhigungen vom Feinde in steter Aufmerksamkeit erhalten, waren auch wir hier in der möglichsten Bereitschaft und sahen den Bedürfnissen für Mann und Pferd sehnlichst entgegen, den die nach Kalisch deshalb abgesendeten Commandirten hierher zurückbringen sollten; der Kanonendonner indessen, der in der Nachmittagsstunde aus der Gegend Kalisch uns zuscholl, ließ einen geschehenen feindlichen Angriff auf das Hauptquartier außer allem Zweifel, und in Eil aufgezäumt und aufgesessen gings in vollem Trabe nach Kalisch zu.  Die ersten unglücklichen Vorboten dieses Tages die uns aufstießen, waren die Trümmer der von uns detachirt gewesenen, und durch feindliche Uibermacht geworfene DragonerRegiments von Polenz, so wie der ihm zur Unterstüzung mitgegebenen neuerrichteten pohlnischen Cosaken. Der Tag neigte sich bereits zu Ende, als wir nur noch ½ Stunde von Kalisch entfernt, von vorn und in der rechten Flanque durch eine in der Dämmerung nicht übersehbare Cavallerie und durch heftiges Grenaderfeuer angegriffen, und um nicht umzingelt zu werden, genöthigt wurden, über den Wahlplaz des DragonerRegiments von Polenz weg, uns links in ein nahe gelegenes Holz dem weiteren feindlichen Eindringen zu entziehen.

Eine Hauptursache die uns an der Wiedervereinigung mit dem Corps hinderte, war die angeschwollene Prosna, die wir nur auf einem bedeutenden Umweg überschreiten konnten; sowie sich aber das Corps von Kalisch aus zur Erreichung der vaterlandischen Grenze auf Glogau nur rechts ziehen konnte, so mussten wir im entgegengesezten Falle unseren Rückzug über Opatoweik (wo wir auf dem Hinausmarsch am 9. April 1812 übernachtet hatten) nach Oberschlesien [132]  zu, links nehmen, wodurch wir uns dann immer weiter von einander entfernten, und von den vielen nachrückenden feindlichen Colonnen durchschnitten wurden. – Die brennenden Vorstädte von Kalisch im Rücken, und von dem nachfolgenden Feinde auf dem Fuße beobachtet, langte die abgeschnittene ArriereGarde den 14. Februar frühmorgens ½ 3 Uhr nach einem höchst ermüdeten Marsch beim Dorfe Brzezny an, wo nach einer kurzen Erhohlung von nur etlichen Stunden der Marsch der sche?ischen Grenze entlang bis zur Stadt Ostrenzow (deutsch Schellenburg) fortgesezt, und die Pferde am Zügel habend, die Nacht auf dasigem Marktplaz in größter Bereitschaft zugebracht wurde. – Diejenigen bei den Husaren der 3ten Escadron, die am 13. Februar nachts voraus die äußerste Spitze unserer Nachhut formirten, sahen wir nicht wieder, - entweder wurden sie vom nacheilenden Feinde eingehohlt und zu Gefangenen gemacht, oder sie verirrten sich in der Dunkelheit der Nacht in den vielen ungebahnten Holzwegen, die wir paßirten, und hatten später als sie ihren Irrthum gewahr wurden vom Feinde bereits umgangen gewiß ein ähnliches Schicksal.

Der GeneralMajor v. Gablenz schickte nach jenem unglücklichen Ereignisse, den ihm als Adjutanten beigegebenen Major von Watzdorff ab, um wo möglich zu suchen, zu dem Corps Commandanten dem General Reynier durchzukommen, diesem von der Lage der abgeschnittenen TruppenAbtheilungen Rapport zu erstatten, und sich von ihm für die Zukunft Verhaltensbefehle zu erbitten. Er erreichte ihn glücklich, und hatte, da er uns bereits sämtlich verlohren gegeben und in Gefangenschaft geglaubt, sich um so mehr gefreut uns noch frey und activ zu wissen. Der Major [133] von Watzdorfff traf am 15ten bereits wieder ein,, mit dem Befehl, dass der projectirte Marsch durch Schlesien bewafnet nicht unternommen werden könne, weil diese Provinz für neutral erklärt wurde, und Breslau das Hauptquartier des Koenigs und der Sammelplaz der preußischen Truppen sey, vielmehr solle der G.M. v. Gablenz mit diesen abgeschnittenen Truppen das pohlnische Corps unter dem Fürsten v. Ponittowsky zu erreichen suchen, und sich dann später an das früher österreichische HülfsCorps in Westgalizien anschließen.

 

Specielle Lage des Regiments, und Formirung seiner noch vorhandenen Bestadtheile in Eine Escadron.

Die an sich schwachen Escadrons des Regiments gingen in dem angetretenen 1813sten  Jahre  ihrer sich nähernden Aufloesung immer sichtbarer entgegen. –

Fortwährender Verlust von dem jetzt rascher andrängenden kühneren Feinde, und immer mehr zunehmende Krankheit durch die unausgesezten Strapazen, überdies noch eine Menge entsendeter vereinzelnde Abtheilungen, als im Hauptquartiere, der Equipage, dem Parke bei den Krankentransporten, und zulezt noch von Kalisch, von den in diese Stadt abgeschickten Fouragefaßern, auf deren sämtliche Wiedervereinigung mit dem Regimente in der gegenwärtigen Crisis durchaus keine Rechnung zu machen war, hatten das Regiment so geschwächt, dass den Dienst Escadronsweise zu bestreiten nicht mehr möglich war. Der Commandant des Regiments, Oberst v. Lindenau trug daher bei dem GM v. Gablenz darauf an, aus den sämtlichen vorhandenen Mannschaften und Pferden der bisherigen sieben schwachen Escadrons (denn die 6. befand sich noch als Eskorte im Hauptquartier des Generals Reynier) Eine Escadron zu bilden, deren Zusammensezung dann auch am 15ten Februar, während eines kurzen mittägigen Biwachts bei Misgelniek [134] vor der schlesischen Grenze bewerkstelligt wurde.

Sie bestand aus 159 Mann mit 139 Dienstpferden, als dem wirklichen Tagesbestand derer 7 Escadrons, und enthielt folgende übrig gebliebene Chargen, als:

 

1 Oberst u. Command.

1 SousLt [Lieutenant] und Adjutant

1 Staabssecretair

1 Staabstrompeter

 

 

vom

Staabe

2 Seconde Wachtmeister

2 ständ. Junkers

3 Fouriers

2 Chirurgen

29 Corporals

6 Trompeters

2 Schmiede

90 Husaren

 

von

7 Esca

drons

2 Sattler

5 Rittmeister

1 Premier Lieutenant

9 Sous Lieutenants

2 Wirkl. Wachtmeister

von

7

Escads.

 

 

Summa als:

 

So gestaltete sich das Regiment am 15. Febr[uar] 1813 nachdem es gerade 1 Jahr zuvor, nämlich am 15. Februar 1812 aus 869 Mann complett bestehend, zum Marsch nach Pohlen mobil gemacht worden war. War bei Vergleichung dieser Bestände, unter der fehlenden Zahl derer 710 Mann gleich die ins Land mit zurückgegangene schwache 6. Escadron und noch so mancher sowohl einzeln als auch transportweise eingetroffenen Wiedergenesenen und Commandirten mit inbegriffen, so war demohnerachtet eine dergestaltige Aufloesung und Zusammensezung des Regiments in einem so kurzen Zeitraum fast beispiellos, und hätte selbiges nicht bald an den Grenzen Ostgalliziens das Ende dieses Feldzugs gestanden, so würden gewiß nur ebenso wenige die Grenzen des Vaterlands wiederbetreten haben, als bei jenen Regimentern der Fall war, die das Schicksal hatten, unter dem GLt[Generallieutenant] Kielmann der großen Armee einverleibt zu werden. [135]

 

Rückzug nach Westgallizien

Die Nacht vom 15ten zum 16ten Februar wurde auf dem Marktplaze der Stadt Kenpken in der gewöhnlichen Bereitschaft wieder zugebracht, und früh um5 Uhr aufgebrochen, um die Prosna noch vor dem möglichen Zuvorkommen des Feindes zu überschreiten.

Wir legten solche Mittags bei Boleslawize in den Rücken, wo während eines kurzen Ruhe- und Erdrischungspunctes die dasige Brücke abgebrochen, und der Marsch nach Prauska fortgesezt ward, wo wir Quartier erhielten. – Den 17. Februar übernachteten wir in Klobulko, und stießen an dem darauf folgenden Tage bei Czenstochow zu den pohlnischen Truppen, die den 19ten von da an ebenfalls wieder aufbrachen, um Cracau zu besezen, und durch Anlehnung an ihrer rechten Flanque an das österreichische HülfsCorps und ihres Rückens an die Weichsel, eine festere Stellung zu gewinnen. Die nunmehrige combinirte HusarenEscadron, übernachtete den 18ten in dem pohlnischen Dorf Biala, den 19ten in Sorambize und den 20ten Februar in Kuniecpol, wo sich der GM von Gablenz an den linken Flügel der Oesterreicher anschloß, und wir, um vor den feindlichen Ausfällen ganz gesichert zu seyn, während unseres Aufenthaltes in Gallizien, hinter der oesterreichischen Linie die nachbemerkten Cantonnierungen bezogen.

Das oesterreichische Kabinett hatte nach Zurückname seines HülfsCorps von der französischen Armee, mit Rußland eine Separatuibereinkunft getroffen, nach welcher es als neutral an den weiteren Ereignissen des gegenwärtigen Feldzugs keinen Antheil nehmen, sondern die Truppe zu Deckung seiner Staaten in Westgallizien verwenden wolle, wo es in ausgedehnten Cantonnenments eine Stellung nahm. – [136]

Rußische und Oesterreichische Offiziere besuchten in größter Eintracht gemeinschaftlich verabredete Lustbarkeiten, während kaum einige Meilen an der Weichsel hinaufwärts  fast täglich der Kanonendonner zwischen denen sich herumbalgenden Pohlen und Rußen zu uns herunterscholl; so genoßen wir denn hier nun auf einmal das Schauspiel des stillsten Friedens und des lärmenden Krieges in einem und demselben Zeitpundte, und die innigste Ruhe würde gewiß anderwärts wohltätiger auf unsere Körper eingewirkt haben, wenn anders der Uibergang aus einer steten und zwar anstrengenden Bewegung – in eine erschlaffende Ruhe, und der Wechsel aus der Kälte und freyen Luft – in die Athmosphäre dämmricher und mit Rauch und starker Wäre angefüllter Stuben, nicht zu rasch und unvorbereitet gekommen wäre. Der Stoff zu so mancher Krankheit den die meisten bei sich trugen, entwickelte sich um so geschwinder, - der Mangel an Aerzten wurde immer fühlbarer (denn die vielen Kranken der comb. Escad. konnte auf den verschiedenen Detaschmants nur Ein Chirurgus besorgen, weil der zweyte im Brigadequartier, die Aufsicht über die dort zusammengebrachten Kranken erhielt) und mehrere davon starben noch in den oesterreichischen Hospitälern, wohin sie aus Mangel an Krankenpflege oft mit der äußersten Lebensgefahr gebracht werden mußten. Da überdies das Verhältnis der Gemeinen zu den Unteroffizieren nicht viel über die Hälfte betrug, und von den ersteren mehrere erkrankten, so konnte es nicht anders kommen, als daß nunmehr umgekehrt Unteroffiziere Handpferde zur Pflege und Wartung erhielten, und daß, wenn die ganz niedergerittenen Pferde, um zu dem bevorstehenden noch weiten Marsche wieder frische [137] Kräfte zu sammeln, wöchentlich einigemal spazieren geritten oder geführt wurden, dieses in Ermangelung der hierzu nöthigen Mannschaften oft von pohlnischen Bauern, unsern Wirthen, die hierzu requirirt wurden, bewerkstelligt werden mußte.

 

Cantonnements an der oberen Weichsel ohnfern Cracau

Auf diesen Ruhe- und Erhohlungspuncten, verweilte die zusammengesezte EscadronHusaren:

vom 27. Febr. bis mit 21. März 1813 in Birkow, Policarcice und Inadowize ohnfern Proszowize. Das Brigadequartier befand sich in Laganow

vom 22. März bis 24. ejsdem in Dobieslawice, Sondiczlawice, Kaaczkowice, Plechow, Bronczyce und Podolani ohnfern Koscyce. Das Brigadequartier in Malkowicy und

vom 26. März bis zum 17. April als dem Aufbruch nach Sachsen, in Oblekou, Pakoczyn, Drzebice, Colotna-wola und Brzeskow, ohnfern Baccanow an der Weichsel. - Das Brigadequartier in Zborow.

Der Major von Watzdorff war inzwischen nach unserer Aufname von dem General Frimont, der nach Zurückberufung des  Fürsten Schwarzenberg, das vormalige österreichische HülfsCorps commandirte, zu Einholung weiterer Befehle, am 21. Febr. als Courier abermals an den sächß. CorpsCommandanten nach Sachsen abgegangen und traf den 23. März früh von da wieder ein, mit der Weisung, daß nach erfolgter Einleitung einer mit dem oesterreichischen Hofe abgeschloßenen Convention die nahe an der Weichsel befindlichen saechßischen Truppen, unbewafnet durch die Zentralen [?] oesterreichischen Staates ins Vaterland zurückmarschiren, und die bei Cracau unter dem Fürsten Poniatowsky aufgestellten pohlnischen Truppen, demselben darauf [138] in verschiedenen Gruppen eben dahin nachfolgen sollten.

 

Convention mit dem K.K. österreichischen Hofe, wegen dem Rückmarsch sächßischer und pohlnischer Truppen, durch die oesterreichischen Staaten nach Sachsen

Die Hauptpunkte dieser Uibereinkunft waren im Auszug folgende:

1. Die Gewehre der Infanterie und die Carabiner der Cavallerie werden auf Wagen geladen, und den Truppen unmittelbar von Quartier zu Quartier nachgeführt; blos 150 Mann der Infanterie, als Bedeckung des Brigadequartiers bleiben völlig bewafnet, um den Dienst bei selbigem zu versehen.

2. Die reutende Batterie als für unbrauchbar erklärt bleibt mit seiner Bedeckung und Bespannung in der gewöhnlichen Marschordnung.

3. Die Truppen werden zu Vermeidung aller Exzeße militärisch eskortirt.

4. Auf 3 Marschtage folgt den vierten jedesmal ein Rasttag, - die zurückgelegte Station wird im Durschnitte zu 2 Meilen angenommen.

5. Der Genuß in jedem Nacht- und Rastquartier wird sogleich ehe sich noch die Truppen aus selbigem entfernen, liquidirt, und darauf den Quartierträgern von einem kk österreichischen Commißair, der sich jedesmal im Hauptquartier der durchmarschierenden Truppen befinden wird, sogleich ausgezahlt werden. Deshalb wird der sächßische Hof dem oesterreichischen eine hinreichende Summe in Wechseln überweisen, um diese Vergütung davon bestreiten zu können.

6. Außer der Entschädigung für die verabreichten Rationen und Portionen, wird für jeden Mann noch täglich 1 Kreuzer Schlafgeld, und 1 Kreuzer für Vorenthaltung des nöthigen Geschirrs entrichtet.

7. Offiziere bezahlen täglich für eine ungez´heizte stube 30 [139] Kreuzer, und für eine dergleichen geheizte 60 Kreuzer oder 1 Gulden. Wohnen aus Kameradschaft oder Bequemlichkeit mehrere Offizieren in einem und demselben Zimmer beisammen, so wird demohngeachtet von jedem Offizier obiger Betrag für sein Unterkommen an den Quartierträger entrichtet.

Dies waren im Wesentlichen die Hauptpuncte dieser Uibereinkunft, die uns zwar endlich zum Ziele und ins Vaterland zurück brachten, die aber auch, mit einem damit verbundenen großen Umwege, dem damals schon so viel belästigten Staate einen sehr beträchtlichen Aufwand verursachten. Die Verpflegung, die wir nach Verschiedenheit der Provinzen die wir paßirten, vorschriftsmäßig genoßen, war zwar nicht spärlich und nach dem Buchstaben berechnet, auch die Aufname, die uns in unserer abgerißenen, und übrigens ganz dürftigen Lage widerfuhr, äußerst zuvorkommend. genau und mitleidsvoll, doch war die Entschädigung für die uns täglich verabreichten Lebensbedürfniße, von denen mir das nähere Detail entfallen ist, auch über die gewöhnliche Militärtaxe, und für diesen besonderen Fall, auch besonders günstig für die betreffenden oesterreichischen Unterthanen eingerichtet. Einen bedeutenden Kostenaufwand verursachten besonders die vielen Fuhren, die zum Transport der Gewehre entnommen werden mußten. – Wir legten durch einen Theil der österreichischen Staaten und namentlich durch Ostgallizien, oesterreichisch Schlesien, Mähren und Böhmen bis nach dem Grenzorte Peterswalde 82 deutsche Meilen zurück, auf welcher weiten Strecke die Bespannung größtentheils schlecht, und die Wagen nach pohlnischer Art, öfters klein und enge waren. Hätte man zur Wiederstornierung nicht schleunigst Waffen gebraucht, oder es als entehrend angesehen, uns zum Theil unbewafnet [140] das Vaterland wieder betreten zu laßen, so würde es für den Staat weit vortheilhafter gewesen sein, wenn man die zum Theil schadhaften, zum Theil aber auch ganz unbrauchbaren Gewehre bei Cracau in den Weichselstrom versenkt hätte, denn das Fuhrlohn überstieg den Anschaffungspreis bei weitem, den diese Armatur früher bei seiner Herstellung neu gekostet hatte.

Die Stimmung an der oberen Weichsel, war troz des Sinkens des frnzösischen Waffenruhms und der Nähe der rußischen Truppen, noch nicht so ungünstig als in den übrigen pohlnischen Provinzen. Man erstattete [?] die gesonderten Natural-Lieferungen, gegen bloße Quittung auf 2 und 3 Jahre in avanco verschrieben, willig und ohn alle Zwangsmittel, ob man schon wußte, daß ihm dieses Guthaben nichts nüzen konnte, weil die künftigen ArmeeBedürfnisse ihm gegen Nichtbeachtung der früheren Bescheinigungen, doch auch wieder aufgebürdet werden würden.

 

Aufbruch von der oberen Weichsel, und Rückmarsch nach Sachsen

Es war den 16. April 1813 am Charfreytage, als dem Jahrestag des Ausmarsches aus Sachsen, wo der Befehl einging, durch die oesterreichischen Staaten ins Vaterland zurückzukehren.

Den 17. April marschirten wir von Oblekon ab, - paßirten Kowerniasto und die Nidda – tags darauf Optowice wo eine (geschlagene) oesterreichische Schiffbrücke über die Weichsel geschlagen, und defillirten am 19ten April als dem zweyten Osterfeyertage in Parade durch Cracau, dem damaligen Hauptquartier des Fürsten Poniatowsky. Wenn ich sage in Parade, so ist hierunter keineswegs das elegante, gleichmäßige und probenförmige Ajoustement, sio wie überhaupt jenes Brüsten zu verstehen, was diesen Tagen sonst so besonders eigen ist, - dies war zu jenem Zeitpuncte, [141] wo man froh war, seine Blöße bedecken zu können, nicht möglich, sondern blos von Ablegung so manchen fremden Kleidungsstückes, was bisher für die Witterung Schuz, und für die durchwachten Nächte mehr Bequemlichkeit darbot, als Pelze, lange Bauernröcke, Pelzmüzen, war hier die Rede, welche überdem eine eingetretene gelindere Witterung unnüz machte, insofern das eigentliche Montierungsstück selbst nicht gänzlich mangelte.

 

Crakau

Cracau liegt eben am dies- und jenseitigen Weichselgestade erbaut und hat wenigstens von der Seite die wir paßirten und wo wir unseren Sammelplaz hatten, eine schöne Umgebung von Alleen, durch die Kunst angelegte Gärten und angenehme Sommerwohnungen. -

Cracau besteht eigentlich aus drei zusammengebauten Stadttheilen, wovon die am linken Ufer liegenden Sendomir und Cracau, und der am rechten Ufer liegende Theil Podgoce heißt.

Eine hölzerne Pfeilerbrücke über die hier noch unbedeutende Weichsel, verbindet diese Stadttheile miteinander. Die Straßen, die wir paßirten waren breit und zum Theil mit modernen Häusern und Palästen besezt, überhaupt aber freundlich und ins Auge fallend. Die Erdgeschoße der Häuser enthielten größtentheils Gewölbe, die aber während der jezt bestehenden Osterfeiertage geschloßen waren. -

Die Weichsel scheidet hier beide Gallizien, und wir nahmen für heute Quartier in Raisko bei Wilizka in Ostgallizien, wo wir den 20. April rasteten, und danach Einpacken und Verladen der Gewehre auf Wagen, und zu dem bevorstehenden Eintritt in die oesterreichischen Staaten vorbereiteten.

Salzsteinbergwerk Wilizka in Ostgallizien

Ich benuzte die Gelegenheit und diesen Ruhetag dazu, um das so ganz in unserer Nähe gelegene Steinsalzbergwerk Wilizka als einen der größten Naturmerkwürdigkeiten unserer Zeit in Augenschein zu nehmen, wozu der damalige, sächsischerseits hierbei angestellte Bergdirektor Uhlemann seinen Landsleuten nicht nur äußerst bereitwillig die Erlaubnis ertheilte, sondern uns auch einen Bergakademisten als Führer und Begleiter noch mitgab.

Wilizka ist ein kleines unbedeutendes Bergstädtchen, auf mehreren Hügeln gelegen, ganz unterminirt, und lebt, weil seit dem Friedensschluß 1809 sich hier die oesterreichisch-gallizische von der vormaligen herzoglich-warschauischen Grenze scheidet, meist vom Schleichhandel und der Bergarbeit. Das sehr weitläufige und einem Schloße gleichende Administrationsgebäude war ebenfalls getheilt und obschon das Werk nach wie vor dem gedachten Friedensschluße noch im ganzen, und nicht zu jedem Antheile besonders bearbeitet ward, so waren zu Wahrnehmung und Aufrechterhaltung beider Gerechtsame, dennoch von jedem Landestheile besondere Administratoren und Expedienten angestellt, die sich gegenseitig controllirten, und den sich ergebenden Überschuß theilten und einrechneten. -

Die künftige Dauer des Herzogtums Warschau war damals schon so schwankend, und Oestereich sahe sich mit einem gewiße Vorgefühl schon wieder in den alleinigen Besiz dieses so bedeutenden [xxxx?] zurückversezt, kein Wunder war es daher, daß die collegialischen Verhältniße der bei beiden Theilen angestellten Unterbehörden, jezt gespannter und kälter sich zeigten, als aus leicht zu ergründenden Ursachen bisher schon der Fall gewesen war.

Ob man schon durch einen außerhalb der Stadt getriebenen zur so genannten ersten Etage dieses Werks gelangen kann, /: denn das ganze Salzsteinbergwerk bestehet aus mehreren auf einander ruhenden Stockwerken :/ so fand es unser Führer zu unserer beßeren Ansicht doch für zweckmäßiger, uns auf den großen Schacht in selbiges einfahren, oder vielmehr hinuntergleiten zu laßen. Der Schacht mochte ohngefähr gegen 24. Ellen Weite /: oder 6. Ellen im ÿ :/ enthalten und war mit einer Decke von zusammengefügten blanken Bohlen versehen, so daß man in der Mitte bloß eine ausgeschnittenen Oeffnung entdeckte, um ein armdickes, auf einer darüber befindlichen Welle aufgewickeltes Seil zum Heraufziehen und Hinunterfahren durchgleiten zu laßen; neben an war eine Maschinerie von mehreren Kammrädern in welcher Pferde gingen, um die Lasten, die zu Tage gefördert werden sollten, heraufzuziehen. - Ehe wir uns selbst zu unserer Hinabfahrt anschickten, wurden wir in eine Stube mit linnenen Oberkleidern ganz in Form der fränkischen Fuhrmannshemden oder Kittel, zum Überwerfen versehen, deren eine Zahl für besuchende Fremde in verschiedener Größe und Güte immer vorhanden ist, um die eigentliche Kleidung durch das an manchen feuchten Stellen heruntertropfende Grubenwaßer nicht durchnäßt, oder wohl gar fleckigt werden zu laßen. Nachdem dies geschehen war, begaben wir uns wieder zur Mündung der Schacht, wo bereits 4. erwachsene Jungs mit Grubenlichtern und starken Stöcken versehen, unserer warteten.

Am Fuße des Seils waren mit starken Strängen Size aus breiten Gurten mit Rücklehnen angebracht, in welche sich die erwähnten 4. Jungs einsetzten. Die Decke unter ihnen zurückgezogen, schwand nun, und sie traten als die Spitze unserer Karawane, die Fahrt in die Unterwelt an. Nachdem sie ohngefähr einige Ellen in den Schacht hineingesenkt waren, wurde die Decke über selbige weder zusammengezogen, und andere dergleichen, an dem Seile befestigte Size harrten unserer. Wir sezten uns ein, rückten uns in unserer neuen unbequemen Lage zurechte die umstehenden Zurückbleibenden wünschten uns eine glückliche Reise, und so, wie vor dem Beginn einer Comedie der strahlende Kronenleuchter sich allmählig von der Decke in das Parterre herunterläßt, /(S.144) und mit seinem Schimmer die noch düstere Umgebung erhellet, ebenso machten wir unsere Abreise in diese kleine Unterwelt, denn wir hingen in 2. Abtheilungen gerade so wohl geordnet um das starke Seil herum, wie die krystallenen Verzierungen und Arme (?) um den Kronleuchter, und den unten stehenden Bewohnern dieser kleinen Kolonie muß unsere immer nach und nach erfolgte schimmernde Hinabsenkung gerade so vorgekommen sein, als dem harrenden Publico im Theater das Erscheinen jener glänzenden Beleuchtung. Unsere Size waren übrigens nicht so gefahrvoll als sie anfänglich schienen, denn durch die Schwere schmiegten sich die Stricke und Gurte so feste um den Körper zusammen, daß ein vorwärts Herausfallen nicht gut denkbar war, und im Rücken diente der breite Quergurt und das starke Seil als Stüze, nur schwindlichen Personen war das beständige Drehen der ganzen Gesellschaft um einen Kreis unbehaglich, welches daher entstand, weil das starke Seil, welches nur aus 2. zusammengedrehten Drehten bestand, bei der Abwicklung von der oberen Welle diese kreisförmige Bewegung hervorbrachte. Die unter uns befindlichen 4. Jungen verminderten mit ihren vorgestreckten starken Stöcken noch in etwas dieses unbehagliche Herumdrehen und vermieden durch das Anprallen der Stöcke gegen die abgeschärften Steinwände, daß nicht unserem Körper selbst ein dergleichen unsanfter Druck zu Theil wurde.

Nach einigen hundert zurückgelegten Ellen auf dieser Fahrt, betraten wir in der so genannten ersten Etage wieder festen Boden, und wurden von mehreren hier anwesenden Personen nicht nur als neue Ankömmlinge in ihrer unterirdischen Colonie begrüßt, sondern mehrere erwachsene Kinder boten uns auch schon verschiedene, von ihnen aus durchsichtigem KrystallSalz verfertigte niedliche Kleinigkeiten, als Tische, Stühle, Kanonen und andere Figuren von der Größe mittler Perloqques als Rückerinnerung an diese unterirdische Reise, zum Kauf an./ [S.145]

Nachdem wir diese beseitiget traten wir unter Voraustragung der Grubenlichter und Begleitung unseres Führers die weitere Fußreise in diesem bereits mehrere Stunden lang ausgedehnten Werk an, wo unser Begleiter vermöge der speziellen Kenntnis nicht unterließ, uns auf diejenigen Punkte der Oberfläche aufmerksam zu machen, unter denen wir uns in diesem Augenblicke eben befanden, als z.B. der Kirche, dem Marktplaze von Wilizka u.s.w.

Die merkwürdigsten Gegenstände in dieser ersten Etage waren folgende:

1. Die in Salzstein mit Altar und allen seinen übrigen Verzierungen aus dem Ganzen ausgehauene Kapelle, worinnen zu Zeiten noch Meße gelesen wird. Der vormalige Koenig Siegismund von Pohlen mit seiner Gemahlin kniete in einiger Entfernung von dem Altare in Lebensgröße. - Der Stoff zu beiden war von schönstem Salzkrystall, der so rein und durchsichtig war, daß man dahinter den Schimmer eines dort gestellten Lichtes deutlich wahrnehmen konnte.

2. Ein auf Säulen ruhender gedielter hoher Saal, der um die 20. tanzende Paare faßen konnte, mit einem erhaben angebrachten Orchester, an welchem in Transparent 2. übers Kreuz gelegte Berghauer mit dem deutschen Motto: Glück auf! befindlich waren.

3. Ein beträchtliches Heu und Stroh Magazin und

4. Ein Pferdestall zu 12. Pferden, deren Bestimmung ist, das in weiter Entfernung gebrochene Steinsalz bis zum nächsten Schacht zu bringen, wo es alsdann in Kübeln oder Fässern zu Tage gefördert wird. Bei meynem Daseyn bestanden diese Pferde aus 12. wohlgenährten Apfelschimmeln, die jedoch, wie alle Pferde, die das Schicksal haben, hierher zu kommen, gänzlich erblindet waren. Da an diesem Tage als dem dritten Osterfeyertage gerade nicht gearbeitet ward, so trafen wir die Hälfte davon im Stalle an, während die übrigen 6. sich an der Tränke befanden. Auch hier im Verborgenen hat die weise Vorsehung so gütig gesorgt, daß dieses stunden- ja mitunter meilenlange Werk aus lauter Salzsteinfelsen bestand, dennoch eine Ader süßen Waßers durchströmt, an welchem diese Pferde, wenn sie erst ein/gewohnt [S.146] sind, je 2. und 2. mit den Halftern zusammengekoppelt, zu gewissen Tageszeiten ganz allein indie Tränke geschickt werden, obschon dieses süße Waßer gegen ¼ Stunde von der Stallung entfernt ist, und mehrere Kreuz- und Querwege zu demselben führen. Wir trafen später auf diese zurückkehrenden Pferde, und sie gingen paarweise so ruhig und gedultig hintereinander in ihren Stall zurück, als wenn sie von Jemanden dahin geleitet würden.

In der zweyten Etage zeichnete sich ein, von zusammengelaufenen abgeträufelten Salzwaßer gebildeter tiefer See aus, der einen weiten Kreißel ausfüllte, und wohl an 10. bis 12. Elllen tief war. Da eine an einem Seile gehende Fähre die Verbindung jenseits unterhielt, so kann man schon leicht auf seinem Umfang, und daß er nicht bloß der Seltenheit wegen angelegt worden, schließen Er enthält die stärkste Sohle, die ohne weiteres Gradieren sogleich versotten werden könnte, wenn man sie benuzen wollte. Unser Fährmann versicherte, daß wenn man auch das Unglück hätte hineinzufallen, dieses Waßer wegen seiner Schwere niemanden sinken ließe. Er habe diese Bemerkung auch einmal dem bekannten rußischen General von Suwarow mitgetheilt, als er dieses Werk besucht habe, und dieser habe, um sich von der Wahrheit zu überzeugen, seinem Kammerdiener befohlen hineinzuspringen, welcher ohne alle Bewegung oben auf geschwommen wäre. - Wer sollte in einer Tiefe von 500. Ellen hier wohl eine dergleichen Waßerpartie vermuthen? - Mich mahnte das machtvolle unterirdische Dunkel an den Fluß Styx und wenn ich unserem alten weißbärtigen pohlnischen Fährmann als den Charon hinzufügte, so konnte ich kein treffenderes Bild finden, was mir jene mythologische Reise in die geträumte Unterwelt beßer hätte versinnlichen können als dieses.

Die ferneren Etagen boten weiter keine besonders ins Auge stechenden Merkwürdigkeiten dar. Daß übrigens zwischen jedem Stockwerke ein Raum von einigen hundert Ellen in seiner Urgestalt liegen bleibt, um dem Ganzen Haltbarkeit und Stüze zu geben, kann man leicht denken.

[S.147] Von den ersten Etagen an machten wir unsere Fußwanderungen in die übrigen Stockwerke, bald auf eingehauenen Stufen, bald auf abwärts laufenden Verbindungen, die sich hier in einer solchen Menge durchkreuzen, daß ein Unbekannter sich allein überlaßen, schwerlich sich aus diesem Labyrinthe wieder ans Tageslicht zurückfinden würde, und dennoch machen die Bewohner dieser unterirdischen Colonie ihre Geschäftsgänge alle im Dunkeln. -

Unvorhergesehen und ohne das mindeste Geräusch schlüpften sie gleich Geistergestalten an uns vorüber, und hätte uns Staunende nicht erst recht ihr Gruß aufgeschreckt, so würden wir gewiß viele von ihnen nicht einmal bemerkt haben.

Sämtliche Verbindungswege, bestehen so viel nur thunlich gewesen aus gerade laufenden 3. bis 4. Ellen breiten Gängen, mit lothrecht zugespitzten Wänden, welche von den Grubenlichtern beleuchtet, wie mit Edelsteinen garnirt, glänzen. Der Fußboden ist mit Bohlen belegt, um das Austreten und Ausfahren deßelben zu verhindern. Rechter und linker Hand dieser Gänge befinden sich nun die sowohl bereits schon früher ausgearbeiteten als auch noch gangbaren Brüche, gleich hohen weiten Kirchenhallen geformt, nach der Terminologie der Bergleute hier Kammern genannt, deren jede um sie zu unterscheiden, ihren besonderen Namen führt; so findet man z.B. nach den vorgewesenen neusten TagesEreignißen, eine Kammer von Moskau, eine von Mosaisk [?], von Friedland, Preußisch-Eylau u.s.w.

Um bei diesen weiten ausgehauenen Kammern, durch den obern Druck das Senken und Einstürzen derselben zu verhüthen, waren selbige mit Pfeilern unterstützt, die in den früheren Zeiten, von, im Quadrat aufgeschänkten zugehauenen Quadern von Salzstein, angebracht und aufgeführt waren. Waren die früheren Pfeiler von Holz, - hier Kasten genannt, - vermöge des Luftzuges, und der die Fäulniß hindernden Salzaufloesung gleich noch frisch und unversehrt, so verriethen die starken Quetschungen an dem Holze, besonders an den Enden, wo die Stücke im Kreuz sich berührten, und ganz flach [S.148] zusammengepreßt aufeinander lagen, dennoch den obern allmähligen Druck, der ohngeachtet der starken NaturScheidewand, hier stattfand und sich an den Tag legte.

Die Gewinnung und das Brechen des Steinsalzes geschieht, indem man mit langen Spitzhauen an den Wänden herunter tiefe Einschnitte in beliebiger Entfernung, so breit man die Salzstücke haben will, nebeneinander macht, und die Wände dann mit Keilen, von der äußeren Seite her, von dem Felsen lostrennt, worauf diese Stücke im länglichen Viereck noch etwas glatt zugehauen, der Abgang in Fäßer geschlagen, und beide durch die Schächte so zu Tage gefördert, und in großen Magazinen bis zur weiteren Verwendung aufbewahrt werden.

 

Über den weiteren Verkehr mit diesem Artikel ist pag.24 unter den Produkten Pohlens bereits das nähere gesagt worden.

Dieses große ungeheure Werk, ist  ohngeachtet seiner sich so leicht aufloesenden Substanz, dennoch an sich selbst trocken, wozu der herbeigeführte Luftzug, vermöge der vielen Verbindungen mit den zu Tage führenden Schachten und Stollen, gewiß nicht wenig beiträgt. Außer der berührten salzigen See, stieß ich nur noch auf einen beträchtlichen Behälter solchen abgeträufelten Waßers, welches in einem großen ledernen Sacke von zwei zusammengenäheten Rindshäuten, die rauhen Seiten nach außen gekehrt, - geschöpft, und in einen darüber angebrachten Schacht hinaufgezogen und ausgeleert wurde.

Nachdem wir in diesem unterirdischen Labyrinth, so viel es die Zeit erlaubte, alles Merkwürdige besehen, und, um den großen Umwegen durch die Gänge zu entgehen, die unteren Stockwerke bergmännisch auf Fahrten, das ist, auf aneinandergesetzten Leitern bis zur oberen Etage zurückgelegt hatten, wurde unsere Hinauffahrt wieder auf die nämliche Weise, und auch dem nämlichen Schacht, wie hinunter geschehen, bewerkstelligt, und wir betraten nach einer Abwesenheit von vier [S.149] Stunden, die Oberfläche wieder, mit der frohen dankbaren Empfindung, von Gottes mildem Sonnenlichte wieder umstrahlt zu werden. 

Das ganze hier Beschriebene muß an Ort und Stelle gesehen und empfunden werden, um sich einen wahren Begriff von der Größe und Kühnheit eines Werks zu machen, was Staunen und Bewunderung zugleich bei einer solchen unterirdischen Wallfahrt, dem Wanderer unwillkürlich aufdringen und im ferneren Verfolg seiner Reise, sich endlich ganz seiner bemächtigen. 

Eintritt in die kk.oesterreichischen Staaten

Nachdem zu Formirung dreyer provisorischer Escadrons im Lande am 3. Maertz 1813 bereits 5. Subalternoffiziere nach Sachsen zur Dienstleistung […]

[…]

So groß auch die Aufopferungen und Entbehrungen waren, die dieser Feldzug mit sich führte, so ehrenvoll, - den guten Geist der Mannschaften und die Liebe für König und Vaterland bezeugend war die gemachte Erfahrung, daß, so lange das Regiment die Landesgrenzen überschritten hatte, keine Desertion und kein Übergang zum Feinde stattfand, - vielmehr beurkundete sich in der Nacht des 15. Novbs. 1812 beim Überfall zu Wollkowize, bei einigen durch Marodiren  auf Feldwacht das Leben verwürkten Arrestalen [Arrestanten], worunter der Husar Altmann der 2ten Escadron mit inbegriffen war, die so seltene Bemerkung, daß der Drang zum Vaterlande selbst die Liebe zur Freyheit und zum Leben überwiegen kann, denn als bei jenen [!] nächtlichen Überfalle die nächtliche Infanteriewacht mit diesen Verbrechern zerstreut wurde, jeder Mann auf seine eigene Sicherheit Bedacht nehmen mußte, und der wachthabende Sergeant bloß einen oberflächlichen Sammelplaz hinter der Linie angeben konnte, benutzte kein Einziger diesen stündlich der Kugel gewärtigen Augenblick, beim Feinde Sicherheit und Schuz zu suchen, sondern gesamte Inquisiten fanden sich, bald auf näheren bald auf weiteren Umwegen, je, nachdem der zerstreute Feind es gestattet hatte, auf dem gegebenen Sammelplaze sich richtig wieder ein, und lieferten so sich freiwillig sich wieder in die Hände der strafenden Gerechtigkeit, die diesmal von der so hervorstechenden Treue und Vaterlandsliebe bewogen, das bereits gefällte Todesurteil milderte und in gelindere Körperstrafen verwandelte.

Die unter dem Mannschaftsabgange ausgeführte Entweichung der beiden Husaren Edel und Weidenkammer der 3ten Escadron zu Fuß, erfolgte bereits wenige Tage nach der erfolgten Mobilmachung aus den Cantonnirquartier Nienasdokleba bei Guben in der NiederLausiz, und zwar nicht aus der Absicht, sich dem Militairdienst zu entziehen, sondern bloß aus Furcht vor dem bevorstehenden Feldzuge, weshalb sie sich auch freywillig im Regimentsdepot Coelleda zur ferneren Dienstleistung wieder gemeldet hatten, sie wurden nach einem mehrwöchigen Arreste zur Strafe und Warnung der übrigen, mit dem ersten Ersatztransporte dem Regimente wieder zugeschickt, und hatten das befürchtete Schicksal, daß beide, und zwar ersterer schon nach wenigen Stunden seines Eintreffens lezterer aber später ihrer Freyheit verlustig wurden und in feindliche Gefangenschaft geriethen.

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Obschon der Feldzug 1813 durch den eingetretenen Waffenstillstand nicht beendigt, sondern nur eine Zeitlang unterbrochen wurde, so schließt sich doch hiermit diejenige Periode, für welche vorstehende Bogen im eigentlichen Sinne bestimmt sind; - sie sollen nämlich die Rückerinnerung auf so mancherley im Auslande Erfahrenes, Gesehenes, Gehörtes und Geprüftes aufbewahren, die außerdem bei herannahenden Jahren und einem durch vielfältige Strapazen geschwächten Gedächtniße demselben leicht entschwinden könnte.

Unterscheiden sich die Feldzüge neuerer Zeit sowohl in taktischer als physischer Hinsicht von den vorhergegangenen schon sehr auffallend, so daß sie in den militairischen Annalen gleichsam eine neue Zeitepoche bezeichnen, so wird der Feldzug 1812 und 1813 hinsichtlich seiner gedrängten verheerenden Folgen von den übrigen für sich selbst doch immer denkwürdig bleiben, - und wenn einst nach Jahren, die jezt aufsproßende Jugend, die Großthaten und Gefahren ihrer Vorfahren aus der Geschichte sich mitteilen, und staunend und kaum glaubwürdig den tiefen Verlust der geopferten deutschen Männer auf den beeißten Gefilden Rußlands aufzählen wird, so wird dann, den noch übrig bliebenen silberbehaarten Greise, die Rückerinnerung an jene unseeligen Tage, nachsinnend ein heiteres und gefälliges Lächeln ablocken, und stolz wird er dann, denen um seine schwankenden [Kniee???] spielenden Enkeln zurufen können: “Auch ich bin einer von jenen Wenigen, der unter namenlosen Leiden dem Feinde und den Elementen Trotz bot, und glücklich wieder auf vaterländischen Boden bei den Seinen anlangte.” [S.166]

 

Eine parallele Quelle findet sich im Internet unter:

 http://www.napoleon-online.de/html/preuhusaren1812.html