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Tageslauf in Internatsschule

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Impressum

Tageslauf in der Internatsschule Landesschule Pforta

18. Jahrhundert 1854-1860 1912 1931
4:30       Aufstehen 4:55       Aufstehen
5-5:30   Andacht

5:15-45 Arbeitsstunde

5:45 1. Frühstück

5:25      Aufstehen 6:00     Aufstehen
5:30-6 Repetierzeit 6:00 Andacht 5:45   1. Frühstück 6:45  1. Frühstück
6-7       Lektion 6-7:00 Lektion 6-7 Lektion
7-8    Repetierzeit 7-9 Repetierzeit mit Einzellektionen 7:10-8:45 Arbeitsstunde 7:15-9:50  3 Lektionen
8-9    Lektion 9-9:15  2. Frühstück 8:45-9:15   2. Frühstück u. schulgartenfrei je 10 Min. Pause
9-10 Repetierzeit 9:15-10 Lektion 9:15-12 Lektionen
10-11  Lektion 10-11 Repetierzeit mit Einzellektionen je 10 Min. Pause 9:55 2. Frühstück
11-12  Tischzeit 11-12 Lektion* 10:15-12:50
12-15  Freizeit 12-14  Mittagessen + frei** 12 Mittagessen 3 Lektionen je 10 Min. Pause
14-14:50 Lektion***  schulgartenfrei u. Turnusspaziergang 12/13  bis 14:00

13 Mittagessen

bis 14:30 schulgartenfrei

15-16   Repetierzeit

oder Lektion

15-15:50 Lektion***

14-15:50 Lektionen

(10 Min. Pause)

14:30-16:00 Arbeitszeit

16-17 Betstunde

16-17 Vesper + schulgartenfrei

15:50 Vesper

16:05-16:15 Kaffee

17-17:30  Repetierzeit

17-17:45 Lesestunde

16-17 schulgartenfrei

16:15-17:00 Arbeitszeit

17:30-18  frei

17:45-19 Arbeitsstunde

17-19 Arbeitsstunden

17-19 Spaziergang f. 10-13 an allen, f. 9 an  3, f. 8 an 2

18-19  Tischzeit

f. 7 an 1 Tag, dem Studientag

19-19:30  Abendgebet

19 Abendessen

19 Abendessen

19 Abendessen

19:30-20  frei

bis 20  bzw. 20:30 schulgartenfrei

bis 20  bzw. 20:30 schulgartenfrei

bis 20  bzw. 20:30 schulgartenfrei

20:00  zu Bett gehen

20 bzw. 20:30 Abendgebet

 20 bzw. 20:30

Abendandacht

20:30 Abendandacht

(1-2x wöchentl.)*

bis 20:45 Arbeitsstunden 20:30 Bettzeit Kl. 7

21 Bettzeit f. 8.-11.Kl.

21 Bettzeit 8-10

21:00 Bettzeit 8-10

21-22 Arbeitsstunde 12/13

21-22 Arbeitsstunde 12/13

21-22 Arbeitsstunde 12/13

22 Bettzeit f. 12/13

22 Bettzeit f. 12/13

22 Bettzeit f. 12/13

*zw. Lektionen u. Arbeitsstden je 8 Min. Pause

an 2 Tagen:

14-15:50 Arbeits

*20-21 Spaziergang 12/13

**Spaziergang für 12/13, an 2 Tagen auch für 8-10

16:15-17 Arbeitstunden

***an 4 Tagen

17-19

nach: Joachim Böhme: Die Pförtner Erziehung, maschinenschriftl. Assessorenarbeit 1931, S.38

 

Repetierzeit und Arbeitsstunde bedeutete, dass kein regulärer Unterricht stattfand  (nur gelegentlich Einzelunterricht), sondern die Schüler in dieser Zeit in Gruppen von etwa 10 - 18 Schülern auf ihrer Stube waren, wo sie unter Aufsicht eines Primaners (12. oder 13. Klasse) arbeiteten, der währenddessen seinerseits seine persönliche Arbeit erledigte. Dabei waren sie noch einmal in Tischgruppen aufgeteilt, bei denen wiederum der Tischälteste für Ruhe zu sogen hatte. 

Unter den Primanern hatten einige als Inspektoren eine zusätzliche Verantwortung bei der Aufsicht in den Schlafsälen (jeweils für eine Klasse, teils für zwei Klassen), beim Mittagessen und in der Freizeit in der Schule (im Plan als "schulgartenfrei" bezeichnet).

Diese Inspektoren hatten Strafrecht gegenüber allen Schülern bis zur Obersekunda (11. Klasse), auch wenn sie es gegenüber den "Oberhähnen" (Schüler der 11. Klasse) im Normalfall nicht wahrnahmen. Schwerere Strafen verhängte die Inspektorenversammlung. Nur bei schwer wiegenden Verstößen wurde der zuständige Lehrer (Hebdomadar) informiert, der solche Fälle auch vor die Lehrerkonferenz (Synode) bringen konnte. 

"Schulgartenfrei" bedeutete, dass die Schüler das Gebäude zu verlassen und sich (auch bei Minusgraden über 15 Grad) im Freien aufzuhalten hatten. "Im Freien" bedeutete dabei das Schulgelände. Nur was im Tageslauf als "Spaziergang" bezeichnet wird, bedeutet das Recht, das Schulgelände zu verlassen. Dies war lange Zeit auch den Primanern nur wenige Stunden in der Woche gestattet: drei Stunden für den normalen Primaner, vier Stunden für die, die sich besonders ausgezeichnet hatten. Als auch Schüler der unteren Klassen (8 und 9) das Schulgelände verlassen durften, war das lange Zeit auf ein bis zwei Stunden pro Woche beschränkt.

Diese offeneren Regeln mit einer mit dem Alter zunehmenden Lockerung der Abgeschlossenheit (Klausur ) wurden unter Einfluss der Jugendbewegung und der Reformpädagogik  eingeführt. 

(nach: Joachim Böhme: Die Pförtner Erziehung, maschinenschriftl. Assessorenarbeit 1931, S.35ff - Fundort: Archiv der Landesschule Pforta - Anfang und Schluss der Arbeit sind inzwischen über zwei unterschiedliche Publikationsvorhaben auch im Internet zugänglich: Inhaltsverzeichnis und Einleitung und die letzten Seiten samt Literaturverzeichnis. Doch sie können die Arbeit mit dem Typoskript noch nicht ersetzen.)